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Naturschutz / Biologische Vielfalt
Stand: Januar 2010
Ökonomie der biologischen Vielfalt
Die oben genannten Beispiele zeigen deutlich, dass die biologische Vielfalt nicht einen Wert hat, sondern mehrere verschiedene Werte: ökologische, ethische, existentielle, aber auch enorme ökonomische Werte.
Bislang wurde der ökonomische Wert der Natur und der Ökosystemleistungen nur ungenügend anerkannt. Diese fehlende ökonomische Wertschätzung hat zur Folge, dass die Erhaltung der biologischen Vielfalt bei planerischen und politischen Abwägungsprozessen häufig vernachlässigt wird.
Im Jahr 2007 haben Deutschland und die Europäische Kommission die Studie "The Economics of Ecosystems and Biodiversity" (TEEB) initiiert, um den ökonomischen Wert der Leistungen der Natur besser einschätzen zu können und die Kosten des Biodiversitätsverlusts bzw. des Nicht-Handelns zu beziffern. TEEB liefert die Zahlen, die belegen, dass es vernünftiger und zudem billiger ist, in den Schutz der biologischen Vielfalt zu investieren, anstatt hinterher die Schäden zu bezahlen.
Ein anschauliches Beispiel für vermiedene Kosten durch Schutz der Biodiversität bietet der Schutz von Mangrovenwäldern in Vietnam. Das Anpflanzen und der Schutz von fast 2.000 ha Mangroven in Vietnam kosteten 1,1 Mio. US-Dollar. Damit wurden Kosten für Küstenschutzmaßnahmen, wie Dammbauten, in Höhe von ca. 7,3 Mio. US-Dollar eingespart. Zusätzlich bilden Mangroven als Kinderstube vieler Fischarten die Grundlage für die küstennahe Fischerei, wodurch die lokale Bevölkerung auch in ihrer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung unterstützt wurde.
Auch für Deutschland gibt es solche Beispiele: Wasserversorgungsunternehmen in Niedersachsen leisten Zahlungen an Landwirte, damit diese ihr Land naturnah bewirtschaften, indem sie z.B. auf den Einsatz von Düngemitteln verzichten. Dadurch wird der Eintrag von Nitraten in das Grundwasser vermieden. Die Vermeidungskosten sind deutlich niedriger als die Kosten einer nachträglichen Entfernung von Nitrat und anderen gesundheitsschädlichen Stoffen aus dem Trinkwasser. Durch solche Kooperationen zwischen Wasserversorgern und Landwirten wird aber nicht nur auf kostengünstige Weise hochwertiges Trinkwassers bereitgestellt, sondern gleichzeitig auch die biologische Vielfalt geschützt. Artenreiches Grünland und Standorte für Ackerwildkräuter beispielsweise können durch solche Kooperationsvereinbarungen erhalten und neu geschaffen werden.
Die TEEB-Studie wird unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) durchgeführt, Leiter der Studie ist der indische Ökonom Pavan Sukhdev. Ein erster Zwischenbericht der TEEB-Studie wurde auf der 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Mai 2008 in Bonn vorgelegt. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigt sich, dass der wirtschaftliche Wert der Leistungen der Ökosysteme für die menschliche Gesellschaft deutlich höher ist, als von Ökonomen und Naturwissenschaftlern angenommen wurde. In der zweiten Phase der TEEB-Studie werden derzeit vier zielgruppenspezifische Einzelberichte erarbeitet und nacheinander veröffentlicht. Den Anfang machte der Bericht für politische Entscheidungsträger im November 2009. Bis Herbst 2010 folgen die Berichte für öffentliche Verwaltungen, den Privatsektor und die Verbraucher. Diese Berichte sollen den entsprechenden Zielgruppen helfen, Entscheidungen zum Schutz der Biodiversität in ihrem Verantwortungsbereich zu treffen. Außerdem werden jeweils eine Reihe kostenwirksamer Optionen zum Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme vorgeschlagen. Die Gesamtergebnisse von TEEB werden bei der 10. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Oktober 2010 in Japan vorgestellt werden.
Eine zentrale Aussage des TEEB-Berichts für politische Entscheidungsträger ist, dass Investitionen in den Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen kostengünstige Möglichkeiten zur Stärkung der Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels oder von Naturkatastrophen bieten und zur Verbesserung der Ernährungssicherung, zur Armutsbekämpfung sowie wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.
Laut TEEB stellen Investitionen in Schutzschutzgebiete wirksame Naturerhaltungsmaßnahmen dar und tragen zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. So könnten beispielsweise durch eine 45-Milliarden-US-Dollar-Investition in Schutzgebiete lebenswichtige naturbasierte Leistungen (z.B. CO2-Speicherung, Schutz/Verbesserung der Trinkwasserversorgung, Hochwasserschutz) von jährlich rund 5.000 Milliarden US-Dollar gesichert werden.
Das Unterschutzstellen von 20 bis 30 Prozent der Ozeane könnte eine Million Arbeitsplätze schaffen und Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr und weitere Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen. Wird die Überfischung der Meere jedoch fortgesetzt, dann ist der Kollaps der Fischindustrie vorprogrammiert und damit gravierende soziale Probleme. Anhand solcher anschaulicher Beispiele aus allen Teilen der Erde demonstriert TEEB, wie der Wert der Natur und ihrer Leistungen bei politischen Entscheidungen umfassend berücksichtigt werden kann. Politikerinnen und Politikern wird damit ein "Werkzeugkasten" zur Verfügung gestellt, den es nun gilt aufzugreifen, zu nutzen und an spezielle Bedürfnisse anzupassen.
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