ANK – Waldökosysteme
FAQs
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Wichtig für die Umsetzung ist die Akzeptanz der öffentlichen und privaten Waldbesitzenden für die Notwendigkeit von gemeinsamen Zielen und Maßnahmen. Mit dem ANK wollen wir die richtigen Impulse und Anreize setzen. Die vorgesehenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Waldökosysteme und ihre Ökosystemleistungen dauerhaft zu erhalten. Wir wollen die Klimaschutzwirkung des Waldes erhöhen, Wälder an den Klimawandel anpassen und den Zustand der waldtypischen Biodiversität verbessern. Die Produktion des nachwachsenden Rohstoffs Holz soll dabei gewährleistet bleiben. Für die öffentlichen Wälder setzen wir auf die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand in Bund und Ländern. Für Privatwaldbesitzende planen wir, entsprechende Anreizsysteme zu entwickeln.
Stand:
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Bereits jetzt gibt es finanzielle Unterstützung für Waldbesitzende, wenn sie ihre Wälder aktiv umbauen wollen, beziehungsweise wenn sie nach der Schädigung ihrer Wälder durch Extremwetterereignisse deren Wiederaufbau einleiten wollen. Diese Förderung wird über die Länder durch die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) mit der finanziellen Unterstützung des Bundes gewährt.
In den letzten Jahren wurde allerdings deutlich mehr Geld für die Wiederbewaldung nach Extremwetterereignissen beantragt und gewährt, als für den vorsorgenden Waldumbau. Dieses Verhältnis müssen wir umkehren, denn es ist ökonomisch nicht sinnvoll. Es sollte vielmehr Ziel sein, die Schäden durch einen frühzeitigen und an dem Ziel der Klimastabilität der Wälder ausgerichteten Waldumbau zu vermeiden. Denn: Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Stand:
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Es gibt zwei Wege, Kohlenstoff in Pflanzenmasse über das Leben eines Baumes hinaus zu speichern: als Totholz im Wald oder genutzt in Holzprodukten. In den in Deutschland vorherrschenden klimatischen Verhältnissen dauert es im Durchschnitt 72 Jahre, bis eine umgestürzte Buche oder Fichte zu 90 Prozent verrottet ist, für verbautes Holz beträgt die Zeitspanne, bis der eingelagerte Kohlenstoff wieder freigesetzt wird, im Durchschnitt etwa 62 Jahre. Den Totholzanteil im Wald zu erhöhen trägt also unmittelbar und sehr effektiv zum Klimaschutz bei.
Totholz ist außerdem essentiell für die Klimaanpassung des Waldes und damit für die langfristige Aufrechterhaltung seiner Klimaschutzleistung. So nimmt Totholz zum Beispiel Wasser auf und gibt dieses langsam wieder ab, was sich insgesamt positiv auf die Wasserrückhaltung im Wald und damit auf den Landschaftswasserhaushalt auswirkt. Außerdem ist Totholz ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Kleinstlebewesen, stehendes Totholz auch für viele Fledermaus- und Spechtarten und trägt somit zur Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität im Wald bei, welche wiederum die Stabilität und die Klimaanpassungsfähigkeit des Ökosystems Wald verbessert.
Waldbewirtschaftung kann die Klimaschutzleistung entscheidend beeinflussen – positiv oder negativ. Entscheidend ist, dass die Waldbewirtschaftung so erfolgt, dass biodiverse, naturnahe Waldökosysteme gefördert werden. Diese bringen gute Voraussetzungen für die Anpassung an die Klimakrise mit. Bestandteil naturnaher Waldökosysteme ist eine angemessene Menge an Totholz.
Stand:
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In Deutschland ist die Waldfläche, anders als in vielen Ländern der Welt, weitestgehend stabil. Langfristig gibt es sogar einen Trend zu einer langsam wachsenden Waldfläche. Die Vereinten Nationen haben in ihrem strategischen Plan für Wälder 2016 bis 2030 das Ziel formuliert, dass die globale Waldfläche bis zum Jahr 2030 um drei Prozent wachsen soll. Auch Deutschland sollte dazu einen eigenen Beitrag leisten.
Insbesondere in stark agrarisch genutzten Regionen sind Waldflächen nur sehr spärlich vertreten. Wir wissen aber, dass Wälder und andere Strukturelemente in der Landschaft wichtige Funktionen erfüllen. Zum einen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, für den Landschaftswasserhaushalt, aber angesichts der Klimakrise auch als eine Art natürliche "Klimaanlage", die zur Kühlung der Umgebung beiträgt.
Ein großer Teil der Ackerfläche dient heute der Futtermittelproduktion, während der Konsum tierischer Produkte zurückgeht. Veränderungen in Ernährungsweise und Landwirtschaft, die mit den Zielen des Klimaschutzes einhergehen, können direkte Auswirkungen darauf haben, wie wir diese Flächen zukünftig nutzen können. Wälder können hier eine, insbesondere ökologisch hochwertige, Alternative darstellen.
Stand:
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Laut dritter Bundeswaldinventur von 2012 sind 36 Prozent der Wälder in Deutschland "naturnah". Der Naturnähe-Begriff der Bundeswaldinventur bezieht sich dabei ausschließlich auf die Baumarten des Waldes. Für diese Einschätzung vergleicht man die aktuell an einem Standort vorkommenden Baumarten mit denen, die sich bei den gegenwärtigen Standortbedingungen ohne den Einfluss des Menschen dort ansiedeln würden. In der Bundeswaldinventur wird zur Beschreibung der Naturnähe eine fünfstufige Skala von "sehr naturnah" bis "kulturbestimmt" genutzt.
Vereinfacht lässt sich sagen, dass Wälder, die eine größere Naturnähe aufweisen, widerstandsfähiger gegenüber der Klimakrise sind. Eine Hauptursache für die großen Schäden der vergangenen Jahre, insbesondere in den Fichtenwäldern, liegt auch an deren fehlender Naturnähe. Hier wurde die Naturnähe gegenüber den Holzproduktionszielen hintangestellt.
Das Ziel der nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS), auf fünf Prozent der Waldfläche eine natürliche Waldentwicklung zu sichern, zielt darauf ab, auf einem kleinen Teil der Waldfläche den menschlichen Einfluss auf den Wald größtmöglich zu reduzieren und natürlich ablaufende Prozesse im Wald zuzulassen. Auf diesen Flächen wird die Holznutzung eingestellt, trotzdem liefern diese Wälder auch weiterhin viele Ökosystemleistungen, die wir nutzen (unter anderem Klimaschutz, Erholung). Außerdem kann es auf diesen Flächen wieder zu jenen Sukzessionsstadien kommen, die in bewirtschafteten Wäldern selten sind, die aber maßgeblich zur Biodiversität im Wald beitragen (Verjüngungsphase, Zerfallsphase).
Diese Wälder liefern uns darüber hinaus quasi als "Freilandlabore" wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich Wälder natürlich an den Klimawandel anpassen. Die Bundesregierung wird daher Intervalle und Form der Bundeswaldinventur überprüfen und ein digitales Waldmonitoring einführen.
Stand:
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Baumarten, die schnell wachsen und deren Samen vorrangig über den Wind weit transportiert werden können, sind die sogenannten "Pionierbaumarten" also Arten, die schnell in der Lage sind, eine Fläche nach einer Störung wieder zu besiedeln. Beispiele sind Birke, Salweide, Eberesche (Vogelbeere) und Pappel. Es geht aber im ANK nicht darum, in deutschen Wäldern vor allem Bäume zu kultivieren, die schnell wachsen, sondern Waldökosysteme zu entwickeln, die aufgrund ihrer Baumartenzusammensetzung und einer möglichst heterogenen Altersstruktur eine hohe Naturnähe aufweisen und damit besser angepasst sind an die Herausforderungen der Klima- und Biodiversitätskrise.
Insbesondere auf den gestörten Waldflächen, die von der Dürre betroffen waren, kann diese Wiederbewaldung allerdings auch ganz natürlich über Pionierbaumarten erfolgen. Eine natürliche Sukzession wäre für die Entwicklung klimastabiler Waldökosysteme durchaus hilfreich.
Stand:
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Solche Vorschläge zielen darauf ab, Bäume länger im Wald stehen zu lassen, als es aus rein holzwirtschaftlichen Gesichtspunkten optimal wäre.
Insbesondere ältere Bäume tragen zu mehr Naturnähe im Wald bei, was wiederum wichtig für Klimaschutz und Klimaanpassung des Waldes sowie den Erhalt der Biodiversität ist. Nur wenn wir den Wald diesbezüglich verbessern, wird er in Zeiten des Klimawandels auch weiterhin seine für die Gesellschaft so wichtigen Ökosystemleistungen bereitstellen können, einschließlich der Produktion des wichtigen Rohstoffs Holz.
Das ANK will hier finanzielle Anreize setzen, um Kommunen und Privatwaldbesitzende zum Mitmachen zu bewegen – zum Beispiel durch den Erhalt älterer Bäume in ihren Wäldern. Die finanziellen Anreize bieten dann einen Ausgleich für das kurzfristig sinkende Einkommen aus der Holzwirtschaft und gleichzeitig entsteht durch verbesserte Ökosystemleistungen des Waldes zusätzlicher Mehrwert für die Gesellschaft.
Stand: