Fischsterben in der Oder
FAQs
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Das gesamte Ökosystem der Oder ist seit der Umweltkatastrophe vom Sommer 2022 nach wie vor geschädigt. Der Fischbestand erholt sich schrittweise, weil sich die Fische in den letzten Jahren gut fortpflanzen konnten. Jede weitere Belastung der Oder, vor allem eine Wiederholung der Katastrophe von 2022, hätte dramatische Folgen für einen sehr langen Zeitraum. Der Klimawandel kann immer wieder zu hohen Wassertemperaturen und niedrigen Wasserständen in der Oder führen. Zusammen mit dem anhaltend hohen Salzgehalt in der Oder ist ein erneutes Fischsterben daher nicht auszuschließen. Die Salzeinleitungen in Polen sind weiterhin besorgniserregend und müssen deutlich reduziert werden. Laut Berichten der polnischen Regierung dauern die Gespräche mit den Bergbaubetrieben an, um die Salzeinleitungen zu reduzieren.
Auch geplante Ausbaumaßnahmen an der Oder gefährden den Zustand des Flussses. Das Bundesumweltministerium setzt sich daher für erfolgreiche Regeneration der Oder ein.
Das Bundesumweltministerium unterstützt bei der Analyse der Umweltschäden und treibt die Renaturierung voran. Dafür hat das Bundesumweltministerium im Februar 2023 beim Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ein dreijähriges Sonderuntersuchungsprogramm in Auftrag gegeben. Die ersten Zwischenergebnisse wurden Ende Juni 2023 am IGB in Berlin vorgestellt. Nach Schätzungen des IGB sind infolge der Umweltkatastrophe vom Sommer 2022 bis zu 1.000 Tonnen Fische im Fluss verendet. Weitere Informationen zu diesem Vorhaben finden Sie weiter unten.
Der Internationale Warn- und Alarmplan für die Oder wurde überarbeitet, damit auch Vorfälle wie Fischsterben unter dieses grenzüberschreitende Meldesystem fallen. Polen nutzt ihn aktiv, um Deutschland frühzeitig bei Fischsterben auf seiner Seite zu warnen.
Wichtig ist darüber hinaus die Erkenntnis, dass das Fischsterben nicht nur ein Problem der Oder ist. Angesichts der Klimakrise setzt sich das Bundesumweltministerium für ein Umdenken ein, was wir unseren Flüssen in Zukunft noch zumuten können.
Stand:
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Die Brackwasseralge, die die Umweltkatastrophe 2022 verursacht hat, hat sich in der Oder und einigen Nebengewässern verteilt. Sie kann für sie ungünstige Bedingungen überdauern und vermehrt sich wieder, wenn Salzgehalt, erhöhte Temperaturen, geringe Fließgeschwindigkeit, niedrige Wasserstände sowie ausreichend Nährstoffe im Gewässer zusammenkommen. Die polnische Seite hat einen dauerhaften Krisenstab eingerichtet, in dem verschiedene Ministerien und Behörden zusammenarbeiten. BMUKN und die betroffenen Bundesländer sowie andere Bundesbehörden tauschen sich eng aus, um sich bestmöglich vorzubereiten. Innerhalb des BMUKN kommen betroffene Arbeitseinheiten in einem Fachstab zusammen, sobald sich die Situation an der Oder verschärft.
Auch mit der polnischen Seite besteht auf politischer und auf Arbeitsebene ein guter, konstruktiver Austausch. Die polnischen Behörden überwachen die Oder intensiv. Es wird kontinuierlich und transparent über die gemessenen Zellzahlen und andere Parameter informiert. Die Ergebnisse (Rohdaten) der polnischen und der deutschen automatischen Messstationen sind online abrufbar.
- Aktuelle Daten aus den Messstationen des Landes Brandenburg (externer Link)
- Pilotażowy Monitoring Rzeki Odry w trybie ciągłym (externer Link, polnisch)
Polen setzt bei starker Vermehrung ausnahmsweise Wasserstoffperoxid ein, um das Wachstum zu stoppen. Das ist im Sommer 2025 in der Kłodnica, einem polnischen Nebenfluss der Oder mit Erfolg geschehen. Dadurch konnte eine Verbreitung der Alge in die Oder verhindert werden. Von deutscher Seite wird die Verwendung dieses Stoffes kritisch gesehen, weil seine Auswirkungen auf das Wasserökosystem noch besser untersucht werden sollten. Anderseits zeichnet sich derzeit kein anderes Mittel gegen das Algenwachstum ab. Polen will noch andere Stoffe testen.
Stand:
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Am 30. September 2022 wurde der Bericht der deutschen Expertengruppe zu den Ursachen veröffentlicht. Die Expertinnen und Experten sind mehreren Hypothesen für die Ursache des Fischsterbens nachgegangen. Das Zusammenspiel von hohem Salzgehalt und massiver Vermehrung einer giftigen Brackwasseralge (Prymnesium parvum) in dem ohnehin durch die Klimakrise bereits gestressten Gewässer wird als die wahrscheinlichste Ursache angesehen. Andere mögliche Ursachen für das Fischsterben haben sich als wenig wahrscheinlich erwiesen. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) hat das Oderwasser auf Schwermetalle und mit der so genannten Non-Target-Analytik auf mehr als 1.200 potentiell schädliche Chemikalien untersucht. Dabei wurden zwar zahlreiche Substanzen in der Oder nachgewiesen, diese können aber zumindest einzeln nicht zu einem Massenfischsterben führen. Der Bericht der BfG zu den Ergebnissen ihrer Arbeiten im Auftrag des Bundesumweltministeriums ist im Mai 2023 veröffentlicht worden.
Polen hat seinen vorläufigen Expertenbericht ebenfalls am 30. September 2022 veröffentlicht. Seit März 2023 liegt auch der endgültige polnische Bericht vor. Alle Berichte kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
Stand:
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Aufgrund der Dokumentation abgesammelter verendeter Fische im Sommer 2022 wurde zunächst von einem Verlust von etwa 360 Tonnen Fisch ausgegangen. Dieser Wert war jedoch mit einer Dunkelziffer behaftet und erlaubte keine Aussagen zu einzelnen Arten bzw. deren natürlichem Erholungspotential.
Um die Ursachen und Folgen der Oderkatastrophe besser zu verstehen und Handlungsoptionen für eine Vermeidung künftiger Fischsterben zu entwickeln, wurde Anfang 2023 das Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) mit einem „Sonderuntersuchungsprogramm Oder“ beauftragt. In diesem werden die Schäden und die natürliche Regeneration der Fische und des Ökosystems untersucht, der chemische und ökologische Zustand der Grenzoder engmaschig überwacht sowie die Bedingungen zur Bildung und Wirkmechanismen der Algengifte weiter aufgeklärt. Die Ergebnisse sollen auch zur Entwicklung eines Frühwarnsystems beitragen. Das Vorhaben wird als Modellvorhaben des Bundesnaturschutzfonds mit rund 4,8 Millionen Euro bei einer Laufzeit von gut drei Jahren durch BMUKN gefördert. Das IGB führt seit vielen Jahren regelmäßig wissenschaftliche Befischungen durch, deren Daten Vergleiche zu früheren Populationen erlauben.
Die ersten Zwischenergebnisse des IGB im Sommer 2023 zeigten erhebliche Einbrüche bei den Beständen und bei der Biomasse verschiedener Fischarten. Auf Basis der vorliegenden Daten schätzte das IGB, dass 2022 tatsächlich bis zu 1.000 Tonnen Fische in der Oder verendeten bzw. mehr als die Hälfte aller Fische Opfer der Oderkatastrophe geworden waren.
Im Jahr nach der Oderkatastrophe konnte aufgrund guter Frühjahrs-Bedingungen und dem Fangverzicht der Berufsfischer ein guter Jungfischjahrgang nachgewiesen werden. Durch gute Wasserstände in 2024 waren auch die Fänge im Frühjahr 2025 überdurchschnittlich hoch. Nach den Prognosen des IGB könnte sich der Gesamtbestand der Fische bis 2026/27 bei weiterhin günstigen Bedingungen vollständig erholt haben. Das massive Fischsterben hatte somit ökologische wie wirtschaftliche Schäden über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahre zur Folge.
Stand:
- Anlassbezogenes Sonderuntersuchungsprogramm zur Umweltkatastrophe in der Oder vom August 2022 (externe Webseite)
- Wissensstand zur giftbildenden Alge Prymnesium parvum in der Oder (externer Download, PDF, nicht barrierefrei, 1,5 MB)
- Zwischenergebnisse zum Zustand der Oder (externe Webseite)
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Die Umweltkatastrophe in der Oder hatte erhebliche negative Auswirkungen auf alle aquatischen Bestandteile der Flusslebensgemeinschaft von Wirbellosen, zum Beispiel Schnecken, bis zu verschiedenen Fischarten. Davon waren auch Baltische Störe (Acipenser oxyrinchus) massiv betroffen, für die seit 1996 umfangreiche Forschungs-, Zucht- und Wiederansiedlungsprogramme durchgeführt werden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) berichteten von toten Stören, die bereits 90 Zentimeter groß und damit wichtig beim Aufbau eines sich selbsterhaltenden Bestandes waren. Betroffen waren auch zwei mit Oderwasser durchströmte Aufzuchtanlagen für Störe, sowohl in Polen als auch in Deutschland, in denen jeweils 10.000 Jungstöre durch das Ereignis getötet oder geschädigt wurden. Die Umweltkatastrophe an der Oder hat die Arbeiten zur Wiederansiedlung des Baltischen Störs in der Oder substanziell zurückgeworfen.
Die Besatzmaßnahmen mit Jungstören im gesamten deutschen Odergebiet wurden 2023 wiederaufgenommen. Sie haben zum Ziel, trotz der Umweltkatastrophe eine sich selbst erhaltende Störpopulation im Fluss aufzubauen und so die imposanten Wanderfische wieder heimisch werden zu lassen. Das Programm wird von den Ländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium unterstützt.
Stand:
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Die Oder ist eine wertvolle Lebensader für Deutschland und Polen – ein in weiten Teilen naturnaher Fluss mit wichtigen ökologischen Funktionen. Auswirkungen von Umweltkatastrophen wie in 2022 könnten den Fluss längerfristig schädigen, vor allem wenn sich das Ökosystem der Oder nicht ausreichend erholen kann. Entscheidend ist daher, negative Einflüsse auf dieses wichtige Ökosystem zu vermeiden und es widerstandsfähig zu machen. Dazu steht das Bundesumweltministerin mit dem polnischen Umwelt- und Klimaschutzministerium in regelmäßigem Kontakt. Bereits bei den 16. deutsch-polnischen Regierungskonsultationen am 2. Juli 2024 wurde eine engere Zusammenarbeit zum Schutz der Oder vereinbart.
Durch das Sonderuntersuchungsprogramm Oder konnte das IGB nachweisen, dass während der Oderkatastrophe viele Fische der tödlichen Vergiftung entkommen konnten, indem sie sich in Nebengewässer oder Röhrichte zurückgezogen hatten, die nicht oder gering von dem Toxin-haltigem Wasser vermischt wurden. Durch die Wiederanbindung von Neben- und Auengewässern oder der Entwicklung natürlicher und vegetationsreicher Uferbereiche können Refugien geschaffen werden, die den Arten das Überleben und später die Wiederausbreitung sichern sowie die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) und die Ökosystemleistungen des gesamten Fluss-Auen-Verbundökosystems stärken.
Die Renaturierung der Oder als Lebensraum seltener Arten und als Quelle wichtiger Ökosystemleistungen für die Menschen vor Ort wird daher künftig eine wichtige Aufgabe darstellen.
Stand:
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Neben der Ermittlung der Ursachen hat jetzt vor allem die Regeneration der Oder Priorität. Ausbaumaßnahmen an der Oder stehen aus Sicht des Bundesumweltministeriums einer erfolgreichen Regeneration entgegen. So ist beispielsweise bei einer Vertiefung der Oder-Fahrrinne damit zu rechnen, dass in Zeiten von Niedrigwasser die Oder-Pegel noch stärker fallen würden und Nebengewässer vom Hauptstrom getrennt werden. Im Fall einer Umweltkatastrophe könnten unter anderem Fische keine sicheren Refugien mehr aufsuchen und würden zugrunde gehen, was die Wiederbesiedlung erschwert.
Die polnische Seite hat seit März 2022 die Oder auf ihrer Seite kontinuierlich ausgebaut. Sie beruft sich auf das deutsch-polnische Abkommen zum Oderausbau von 2015. Aus Sicht des Bundesumweltministeriums scheint es wichtig, die Erkenntnisse der Umweltkatastrophe von 2022 ebenfalls bei der Abwägung zum Oderausbau zu berücksichtigen. In Polen sind weitere Baumaßnahmen geplant. Allerdings hatten Klagen von deutschen und polnischen Umweltverbänden vor einem polnischen Gericht Erfolg und Polen muss die Umweltverträglichkeitsprüfung für den gesamten Ausbau auf seine Seite neu durchführen.
Auf deutscher Seite sind aufgrund des Abkommens ebenfalls Maßnahmen vorgesehen. Zurzeit läuft die strategische Umweltprüfung zur Stromregelungskonzeption für die Oder bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.
Stand:
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Infolge der Klimakrise werden wir in Zukunft häufiger Zeiten der Trockenheit und Hitzewellen erleben. Beides kann zu Niedrigwasser führen, was wiederum die Konzentration von Schadstoffen in den Flüssen erhöhen kann. Für die einzuhaltenden Grenzwerte gibt es klare Mindestanforderungen an die Einleitungen in die Gewässer. Die maximal möglichen einzuleitenden Schadstofffrachten werden in Einleitungserlaubnissen festgelegt, für die die Wasserbehörden der Bundesländer zuständig sind. Diese Einleitungserlaubnisse können von den Wasserbehörden angepasst werden, auch in Zeiten von Niedrigwasser und hohen Temperaturen im Gewässer.
Stand:
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Für den Menschen ist die Alge Prymnesium parvum nach derzeitigen Erkenntnissen nicht gefährlich. Im Sommer 2022 gab es in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vorsichtshalber Verbote oder Warnungen zum Kontakt mit dem Oderwasser, die später wieder aufgehoben wurden.
Stand: