– Es gilt das gesprochene Wort! –
Sehr geehrter Minister Abdulrahman AlFadley,
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir eine besondere Freude und Ehre, heute gemeinsam mit Ihnen, sehr geehrter Herr Minister, die IFAT Saudi-Arabien zu eröffnen. Die IFAT ist seit inzwischen 60 Jahren die Leitmesse für internationale Umwelttechnologie. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, Umwelttechnologien weltweit zu verbreiten, und Investitionen und Innovationen zu fördern.
Wir leben in einer Zeit, in der es eine unserer größten Aufgaben ist, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Der im Dezember veröffentlichte 7. Global Economic Outlook (GEO) hat unterstrichen, wie dringend es deshalb ist, Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung entgegenzuwirken. Denn nur so erhalten wir auch die Grundlagen unseres Wirtschaftens.
Wir müssen Rohstoffe sorgsam einsetzen und möglichst wiederverwenden. Das ist Kreislaufwirtschaft und das zahlt auch auf den Klimaschutz ein. Außerdem schaffen Investitionen in den Umbau unserer Wirtschaft und unseres Energiesystems lokale Wertschöpfung. Es entstehen neue Märkte und Chancen auf Wachstum. Kreislaufwirtschaft ist also Standortpolitik, Innovationspolitik und Industriepolitik zugleich. Es freut mich sehr, dass Saudi-Arabien im großen Stil in die Kreislaufwirtschaft investiert, um mit den neuesten Technologien den Umbau voranzutreiben. Die "Vision-2030-Strategy" und "Saudi Green Initiative" sind ein beeindruckender Rahmen dafür, diese Ziele in die Tat umzusetzen. Deutschland ist mit Saudi-Arabien gemeinsam auf diesem Weg. Das zeigt auch die heutige Eröffnung der IFAT hier in Riad.
Die globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind enorm. Um uns herum verändern sich politische Realitäten. Alte Partnerschaften geraten ins Wanken. Davon konnte ich mir erst vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wieder ein Bild machen. Umso wichtiger wird die Kreislaufwirtschaft. Denn sie macht uns unabhängiger von Rohstoffimporten, sie macht uns resilienter und wettbewerbsfähiger. Und genau das brauchen wir, denn der Druck auf die Lieferketten war selten so groß wie in diesen Tagen. Deshalb halten wir in Deutschland Kurs: In der EU und global bleiben wir bei der Kreislaufwirtschaft ein Spitzenreiter.
Bereits vor etwa 40 Jahren haben wir begonnen, unsere Abfallwirtschaft mehr und mehr in Richtung einer Kreislaufwirtschaft umzubauen. Damals waren wir eines der ersten Länder in Europa. Wir haben inzwischen hochmoderne Recycling-Anlagen. Manchmal werden wir belächelt als die "Weltmeister" im Trennen und Sortieren. Aber auf diese Weise gewinnen wir wertvolle Rohstoffe zurück und stellen sie der Wirtschaft wieder zur Verfügung.
In Deutschland arbeiten gut 300.000 Beschäftigte in kommunalen und privaten Recycling-Unternehmen. Sie erwirtschaften dabei einen Umsatz von rund 105 Milliarden Euro. Die Branche hat sich sehr gut entwickelt und auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz geleistet: Die deutsche Abfallwirtschaft hat ihre Treibhausgasemissionen seit 1990 um 86 Prozent gesenkt.
Aber wir dürfen nicht bei der Abfallwirtschaft stehen bleiben. Wir können noch besser werden, wenn wir den gesamten Lebenszyklus von Produkten in den Blick nehmen. Zur Veranschaulichung nur eine Zahl vom "International Resource Panel" der Vereinten Nationen: Demnach gehen 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen auf die Gewinnung und Verarbeitung von fossilen Brennstoffen, Biomasse, Erzen und Mineralen zurück. Die Konsequenz daraus kann nur sein, dass wir weniger Primärrohstoffe verbrauchen.
Viele Rohstoffe sind schon im Wirtschaftskreislauf. Wir müssen sie möglichst weiter oder wieder verwenden. Das schont natürliche Ressourcen und die Umwelt – und macht uns von Importen unabhängiger. Das ist der Leitsatz der Kreislaufwirtschaft.
Kreislaufwirtschaft beginnt übrigens schon, bevor ein Produkt überhaupt entsteht. Bei der Gewinnung der Rohstoffe. Beim Design eines Produktes. Bei der Planung. Je nachdem, welche Materialien verwendet werden und wie sie verbaut sind, können sie leichter rückgewonnen werden. Das gilt für seltene Erden aus dem Handy genauso wie für Baumwollfasern.
Aus diesen Gründen haben wir in Deutschland eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie entwickelt. Im Februar verabschieden wir im Kabinett dazu ein Aktionsprogramm, das konkrete Maßnahmen ausbuchstabiert. Wir wollen das Aktionsprogramm bis Ende 2027 umsetzen. Im Bundeshaushalt sind dafür 260 Millionen Euro vorgesehen. Zum Beispiel für ein Förderprogramm zur Unterstützung zirkulärer Produktionsverfahren.
Eine unserer wichtigsten Ressourcen ist das Wasser – Sie wissen das hier in Saudi-Arabien. Unsere Wasserwirtschaft ist technologisch stark – das zeigt sich auch hier auf der IFAT. Aber jetzt geht es darum, sie nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten. Dafür haben wir mit unserer Nationalen Wasserstrategie einen Rahmen gesetzt und konkrete Maßnahmen benannt. Wir wollen zum Beispiel die Wiederverwendung von Wasser stärken. Dazu nutzen wir innovative Technologien wie Nährstoffrecycling und Entsalzung. Das verbessert unser Grundwassermanagement und es entstehen neue Industriekonzepte.
Zu den Maßnahmen gehört auch, dass wir den internationalen Austausch stärken und Kooperation ausbauen wollen. Denn der Wasserkreislauf reicht von der lokalen bis zur globalen Ebene. Lassen Sie uns dazu bei der Wasserkonferenz der Vereinten Nationen in diesem Jahr zusammenarbeiten!
Saudi-Arabien hat mit der Ausrichtung der ersten IFAT in der arabischen Welt eine Führungsrolle übernommen. Mit guten Gründen: Die Green-Tech-Branche – und die Kreislaufwirtschaft als ein Teil davon – boomen.
Laut einer Studie des World Economic Forums war die Green economy 2024 mit einem Umsatz von über fünf Billionen US-Dollar einer der weltweit wachstumsstärksten Sektoren. Und das Wachstumspotenzial der "Grünen Märkte" ist enorm. Im Jahr 2030 könnte der Umsatz nach dieser Studie mehr als sieben Billionen US-Dollar betragen.
Hier auf der IFAT geht es um die besten Ideen und Lösungen für diesen Markt. Das ist Umwelt- und Klimaschutz in der Praxis. Damit sichern wir unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen für die Zukunft. Auf Klimaschutz zu setzen, ist klug. Es rechnet sich und es funktioniert. Sie hier auf der Messe sind unsere Partner dabei. Vielen Dank dafür.
Ich bin gespannt auf die Ideen zu Kreislaufwirtschaft und Wasserwirtschaft, die hier heute präsentiert werden. Und ich freue mich, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Messe!
Vielen Dank.