Die beiden Gräften der Burg Vischering wurden umgestaltet und ökologisch aufgewertet. Es wurde ein Belüftungssystem installiert und die Gewässersohle modelliert, um die Gewässer in Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Eutrophierung zu schützen und zu erhalten.
Gefördert über
Fördermaßnahmen im ANKProjektdaten
Projektdauer
10/2026 - 12/2029
Förderjahr
2026
Land
Deutschland
Ort/Region
Nordrhein-Westfalen
Fördersumme
970.438,91 Euro
Themenbereich
Natürlicher Klimaschutz
Kontakt
Kreis Coesfeld
Fördernehmer
Kreis Coesfeld
Das Projekt des Kreises Coesfeld wertet das Gräftensystem der Burg Vischering im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) ökologisch auf. Durch gezielte Gewässermodellierung, die Anlage von Flachwasser- und Sumpfzonen, schwimmende Klärinseln, neue Uferbefestigungen und biologische Entschlammung werden die Wasserqualität verbessert, das Ökosystem klimaresilienter aufgestellt und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen.
Ausgangssituation
Burg Vischering im Münsterland ist von einem System von äußeren und inneren Wassergräben umgeben, den sogenannten Außen- und Innengräften. Vor Beginn des Projekts war das gesamte System in einem ökologisch schlechten Zustand, sowohl als Raum für die Natur, als auch in seinen Klima-Leistungen und als Erholungsraum für den Menschen.
Die Außengräfte war bis zum Jahr 2022 zunehmend verlandet. Auf den entstandenen Inseln siedelten sich Wasservögel an, die an den Ufern den Röhrichtbestand und die Wasserpflanzen nahezu vollständig abgefressen haben. Die vielen Wasservögel haben zudem durch ihren Kot für einen sehr hohen Nährstoffeintrag in das Gewässer gesorgt und dadurch die Schlammbildung gefördert. Zudem traten Verdachtsfälle von Botulismus bei den Wasservögeln auf, die zum Verenden zahlreicher Enten führten. Botulismus ist eine Erkrankung, die durch das Gift eines Bakteriums hervorgerufen wird, welches in den Schlammschichten überdauern kann. Es führt bei Vögeln zu Lähmungserscheinungen und bei Wasservögeln zum Tod durch Ertrinken. Deshalb wurde zum Schutz der Wasservögel die Außengräfte bereits im Jahr 2022 trockengelegt.
Das Gewässer der Innengräfte litt unter einer zunehmenden Schlammbildung, begleitet von einer Fäulnisentwicklung unter starker Sauerstoffzehrung, die für Fische und alle Lebewesen problematisch werden kann. Als Stillgewässer und teilweise umgeben von mächtigen Laubbäumen hat sich eine Schlammschicht von bis zum 1,20 Meter aufgebaut.
Projektziele
Die Außengräfte wurde in zwei Teilabschnitte aufgeteilt und renaturiert, wobei der nördliche Bereich in eine Sumpflandschaft umgestaltet wurde und im südlichen Teil wieder ein dauerhaftes Gewässer entstanden ist.
Die Innengräfte wurde durch ein biologisches Verfahren mit Belüftungsschläuchen entschlammt.
Das Projekt verbindet damit Natürlichen Klimaschutz und Klimaanpassung: Neue Pflanzenzonen binden CO2 in pflanzlicher Biomasse, während tiefe Gewässerzonen, Sumpfbereiche und Inseln die Gewässer kühlen, Sauerstoff anreichern und das Ökosystem resilient gegen Hitze, Trockenheit und Extremwetter machen.
Maßnahmen
Die Außengräfte wurde ummodelliert und in zwei Gewässerebenen unterteilt mit einer Flachwasserzone, die sich zu einer Sumpflandschaft entwickeln soll, und einem tiefen Bereich für ein artenreiches Gewässer. Zusätzlich wurden "Schwimmende Inseln" installiert die dem Nährstoffabbau des Gewässers, der besseren Sauerstoffversorgung, Rückzugsraum für Fische zum Schutz vor Kormoranen und durch das Blütenangebot eine Verbesserung der Biodiversität dienen.
Die Innengräfte wird durch ein Belüftungssystem ökologisch entschlammt und die Uferlinie wurde erneuert. Durch die Verlegung von Membranschläuchen auf die organische Schlammschicht wird Luftsauerstoff minimalinvasiv ausgebracht. Dadurch werden aerobe Bedingungen geschaffen, die es den Mikroorganismen ermöglichen, den organischen Schlamm abzubauen und die Schlammschicht zu reduzieren. Durch dieses biologische Verfahren werden die aquatischen Lebewesen geschont und das Gewässer nachhaltig und dauerhaft aufgewertet.
Zudem wurde die über die Jahre marode gewordene Uferbefestigung nach den Vorgaben des Denkmalschutzes wiederhergestellt. Hierfür wurde die alte Bretterverschalung erneuert. Zur ökologischen Aufwertung des Uferbereichs wurde dieser abschnittsweise mit Wasser- und Sumpfpflanzen besetzt.
Das Ergebnis
Die Burg Vischering als Besuchermagnet im Münsterland hat wieder zwei intakte Gewässer, die durch die vielseitigen Maßnahmen ökologisch aufgewertet wurden. Hier wirkt der Natürliche Klimaschutz unter anderem mit mehr Lebensraum für Pflanzen und Tiere, mit Kühlung der gesamten Umgebung und als Erholungsort für Anwohner*innen und Gäste der Region.