Rede von Bundesminister Carsten Schneider anlässlich des COP 31-Briefings – Resilienz durch Klimaschutz

02.11.2026
Podiumsdiskussion
Bundesumweltminister Carsten Schneider hat beim traditionellen Briefing im Vorfeld der 31. UN-Klimakonferenz eine Rede gehalten. Er betont, wie wichtig der weltweite Ausbau der erneuerbaren Energien für eine sichere Zukunft ist.

– Es gilt das gesprochene Wort! –

Sehr geehrte Frau Kollegin Reem Alabali Radovan,
sehr geehrte Frau Botschafterin Smith,
sehr geehrter Herr Botschafter Turan,
sehr geehrte Frau Nallinger und Herr Santarius,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie alle hier im Bundesumweltministerium begrüßen zu können, insbesondere die Kolleginnen und Kollegen aus den Botschaften und die Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Wir haben dieses COP-Briefing unter die Überschrift gestellt "Resilienz durch Klimaschutz". Damit soll deutlich werden, dass Klimaschutz kein reines Umweltthema ist. Sondern Klimaschutz betrifft die Stabilität und Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaften insgesamt: die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit, unsere Sicherheit, aber auch Fragen der Gerechtigkeit.

Und obwohl das so ist, steht die Klimapolitik derzeit vor großen Herausforderungen. Die aktuelle Regierung der USA ist aus dem Klimaschutzabkommen ausgetreten und lobbyiert offen für fossile Energien. Wir erleben geopolitische Spannungen.

Und der so genannte Overshoot Report des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen zeigt, dass wir die 1,5°C-Grenze überschreiten werden. Das Risiko schwerwiegender, teils katastrophaler und irreversibler Folgen des Klimawandels steigt damit weiter an.

Doch wie so oft im Leben sind die Dinge auch in der Klimapolitik nicht schwarz und weiß. In vielen Bereichen gibt es rasante Fortschritte, die vor Jahren noch undenkbar waren. Ich möchte drei Beispiele nennen:

Erstens: E-Autos. Sie hatten in Deutschland im September einen Marktanteil von 34,5 Prozent bei den Neuzulassungen. Das sind fast doppelt so viele wie vor einem Jahr. Bei unserem Förderprogramm für E-Autos haben wir die Marke von 100.000 Förderungen erreicht. Ich bin davon überzeugt: Der Trend zur E-Mobilität ist unumkehrbar. Und: Die Elektrifizierung möglichst vieler Bereiche ist der Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise.

Zweitens: Der weltweite Ausbau der erneuerbaren Energien bricht jedes Jahr Rekorde. Mit Solarenergie wird inzwischen weltweit mehr Strom erzeugt als mit Kohle. Das ist ein historischer Meilenstein. Weit über 80 Prozent der weltweit zugebauten Energieanlagen sind Erneuerbare.

Drittens: Clean Tech. Damit sind emissionsarme Umwelt- und Energietechnologien gemeint. Sie sind ein deutscher Exportschlager! Clean Tech ist eine Schlüsselbranche und Leitindustrie in Deutschland. Der Sektor wächst seit vielen Jahren. Er trägt mit rund 320 Milliarden Euro zur Bruttowertschöpfung in Deutschland bei und hat die Automobilbranche bei der Anzahl der Beschäftigten schon weit überholt. Boston Consulting hat errechnet, dass GreenTech bis 2030 ein globales Marktvolumen von mehr als sieben Billionen US-Dollar erreichen kann.

Diese Zahlen zeigen: Die Energiewende ist keine deutsche Sonderveranstaltung, sondern eine globale Revolution. Auch wenn manch einer im Bundestag das nicht wahrhaben will.

Der Prozess der Klimakonferenzen ist sicher nicht perfekt. Aber es ist der einzige Prozess, der uns zusammenbringt, um als Weltgemeinschaft die globale Aufgabe Klimaschutz zu lösen. Und er bietet uns die große Chance, gleichzeitig Antworten zu finden auf andere Krisen unserer Zeit.

Derweil wird es auch in Antalya Akteure geben, die fossilen Energien das Wort reden. Dabei erleben wir zum wiederholten Mal, wie unsicher die fossilen Energiemärkte sind. Regionale Auseinandersetzungen und Konflikte reichen aus, damit die Preise für fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle massiv ansteigen. Das ist eine Belastung, die viele Menschen hart und unmittelbar trifft.

Ich will es klar sagen: Diese Krise ist eine Krise der Fossilen. Fossile Energien liefern nicht die Versorgungssicherheit, die alle dringend brauchen – Menschen, Unternehmen, Volkswirtschaften und globale Lieferketten. Wer heute auf den Import von Öl und Gas angewiesen ist, setzt sich unkalkulierbaren Risiken und politischen Abhängigkeiten aus.

Erneuerbare Energien haben diese Risiken und Abhängigkeiten in diesem Ausmaß bei weitem nicht. Ein schnellerer Ausbau bringt den Klimaschutz voran UND stärkt unsere wirtschaftliche und geopolitische Resilienz. In einer Welt neuer Bedrohungen sind Erneuerbare Energien Sicherheits-Energien.

Kostengünstige erneuerbare Energie sichert Wertschöpfung und Beschäftigung – nicht nur bei Herstellern weltweit, sondern auch im Handwerk um die Ecke. Wir sehen auch, dass es ein gutes Mittel gegen Energiearmut und für ein bezahlbares Leben sein kann. Der Siegeszug der Erneuerbaren ist deshalb kein Zufall. Er ist rational.

Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber es gibt noch viel zu tun, das haben die COPs der vergangenen Jahre bereits definiert: Den Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen. Die Erneuerbaren Energien verdreifachen. Die Energieeffizienz verdoppeln.

Deutschland setzt diese Ziele um. Wir haben im September Deutschlands Roadmap für die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen veröffentlicht. Deutschland hat sich dazu verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Das heißt: Schrittweise verabschieden wir uns von fossilen Brennstoffen und setzen auf Elektrifizierung und erneuerbare Energien.

Dieser Weg eröffnet enorme Chancen für unsere Wirtschaft. Unsere Unternehmen stellen schon heute auf E-Flotten um. Sie nutzen Industriewärmepumpen, um Prozesse zu elektrifizieren, also direkt mit Strom zu betreiben. Die Kombination aus dem Ausbau der Erneuerbaren Energien auf der einen Seite und der konsequenten Elektrifizierung auf der anderen Seite – das senkt außerdem mittel- und langfristig die Stromkosten. Das verbessert unsere Wettbewerbsfähigkeit und sichert gute Arbeitsplätze.

Von der COP31 erwarten wir deshalb klare Signale auch an die globalen Märkte: Die Energiewende muss weiter beschleunigt werden. Vor allem beim Ausbau der Stromnetze müssen wir besser vorankommen. Denn wir werden nur erfolgreich sein, wenn der erneuerbare Strom dorthin kommt, wo er gebraucht wird.

Ich möchte den beiden Präsidentschaften Türkei und Australien deshalb danken, dass sie weltweit ein globales Elektrifizierungsziel verankern wollen, mit einem Fahrplan für die kommenden Jahre. Deutschland hat dieses Thema beim Petersberger Klimadialog im April gesetzt und wird dazu seinen Beitrag leisten.

Antworten finden auf die Krisen unserer Zeit, das heißt auch: Die Menschen vor den Folgen des Klimawandels schützen, die wir schon heute deutlich spüren.

In Deutschland und Europa hat der extrem heiße und trockene Sommer für schwere Waldbrände gesorgt. Für extreme Wasserknappheit mit ausgetrockneten Flüssen, auf denen keine Schiffe fahren konnten. Für erhebliche Verluste in der Landwirtschaft und hohe Kosten für die Industrie.

Die Hitze hat die Menschen in ihrem Alltag enorm belastet. Es gab auch viele hitzebedingte Sterbefälle. Das trifft uns ganz unmittelbar. Gleichzeitig wissen wir, dass die Folgen des Klimawandels andere Länder vor noch härtere Probleme stellen.

Ich fand es deshalb richtig, dass das Vorbereitungstreffen für die COP31 auf Fiji die existenziellen Klimawandelfolgen im Pazifik ins Scheinwerferlicht gestellt hat. Und daher wird die Anpassung an den Klimawandel auch bei der COP31 eine wichtige Rolle spielen.

In Deutschland haben wir ein Klimaanpassungsgesetz und eine Klimaanpassungsstrategie mit messbaren Zielen. Ich freue mich, dass es auch in anderen Ländern ähnliche Vorhaben gibt.

Mit dem "Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz" machen wir die Natur zu unserer Verbündeten und stärken die Klimaschutzleistung von Wäldern, Auen, Mooren und Böden. Damit können Treibhausgase gebunden und unsere Resilienz gestärkt werden.

Die Wasserknappheit im vergangenen Sommer in Deutschland war akut. Spätestens jetzt ist klar: Eine Strategie der Resilienz muss auch unsere Wasserressourcen umfassen. In Antalya und bei der UN-Wasserkonferenz in Abu Dhabi werde ich mich dafür einsetzen, die multilaterale Zusammenarbeit zu Wasser zu stärken.

Deutschland ist ein verlässlicher Partner bei der Umsetzung von COP-Beschlüssen. Wir machen unsere Hausaufgaben. Und wir unterstützen die Dekarbonisierung, die Energiewende, den Waldschutz und die Steigerung der Resilienz weltweit.

Dafür gibt es die Internationale Klimaschutzinitiative des BMUKN, die Entwicklungszusammenarbeit des BMZ und auch die Energiepartnerschaften des BMWE.

Deutschland steht auch zum neuen Klimafinanzierungsziel. Wir werden weiterhin einen fairen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung leisten. Von den wirtschaftsstarken Schwellenländern erwarten wir, dass auch sie sich solidarisch gegenüber den vulnerabelsten Ländern zeigen. Mit einem höheren Beitrag zur Umsetzung des neuen Klimafinanzierungsziels bis 2035.

Im Jahr 2025 haben wir 10,8 Milliarden Euro für Klimaschutz in Entwicklungsländern mobilisiert. Es ist wahr, dass die öffentlichen Mittel begrenzt sind, bei uns und bei allen anderen Gebern auch. Umso wichtiger ist es, deutlich mehr deutlich mehr private Mittel zu mobilisieren. Das ist uns 2025 gelungen. Und das wollen wir weiter verstärken.

Bei der COP ringen wir um Zahlen und Beschlüsse, manchmal um Adjektive und Nachkommastellen. Und das hat seine Berechtigung. Ich wünsche mir, dass wir dabei immer im Hinterkopf haben, warum wir das machen: für eine lebenswerte Zukunft. Für eine Natur, die uns weiterhin mit dem versorgt, was wir zum Leben brauchen. Für eine langfristig erfolgreiche Wirtschaft und eine Gesellschaft, in der alle gut und sicher leben können – auch diejenigen, die der Hitze nicht durch Klimaanlagen oder Reisen entkommen können.

Wenn das unsere Motivation ist, dann bin ich zuversichtlich, dass wir ab nächster Woche in Antalya gemeinsam etwas bewegen können.

Ich danke Ihnen allen dafür, dass Sie heute hier sind. Und ich freue mich auf einen spannenden Austausch.

Meldungen Downloads Informationen

31. Weltklimakonferenz (COP31)

vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya

02.11.2026 | Rede Klimaschutz
https://www.bundesumweltministerium.de/RE11956
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