Innenraumluft
Erwachsene halten sich in Mitteleuropa etwa 80 bis 90 Prozent des Tages in geschlossenen Räumen auf: zu Hause, am Arbeitsplatz, in Verkehrsmitteln, wie Auto, Bus oder Bahn. Eine möglichst unbelastete und klimatisch behagliche Innenraumluft hat damit für das Wohlbefinden und die Gesundheit eine entscheidende Bedeutung.
Verunreinigungen der Innenraumluft entstehen einerseits durch die bloße Anwesenheit von Menschen, die Sauerstoff verbrauchen, Kohlendioxid (CO2) ausatmen und weitere Stoffe sowie Körpergerüche abgeben. Andererseits werden sie durch verschiedene Aktivitäten wie Rauchen, Kochen oder Heizen verursacht. Tabakrauch gehört zu den gefährlichsten Luftverunreinigungen.
Auch die von Bauprodukten, der Innenausstattung und Alltagsgegenständen in die Luft abgegebenen Stoffe beeinflussen die Innenraumluftqualität. Zu den typischen Innenraumverunreinigungen zählen unter anderem:
- Anorganische Gase: Kohlenstoffmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), Stickstoffdioxid (NO2), Ozon (O3)
- Flüchtige organische Verbindungen (VOC): Formaldehyd, Lösungsmittel, andere organische Stoffe
- Fasern: Asbest
- Partikel: ultrafeine Partikel, Feinstaub (PM2,5, PM10), Nanopartikel und Mikroplastik
- Schimmelpilze, Bakterien und Viren
In bestimmten Regionen Deutschlands kann zusätzlich das gesundheitsschädliche Radon aus dem Erdreich in Innenräumen auftreten.
Eine schlechte Innenraumluftqualität kann vielfältige gesundheitliche Folgen haben – von einer verringerten kognitiven Leistungsfähigkeit und vermindertem Wohlbefinden bis hin zu Kopfschmerzen, Reizungen von Augen, Nase und Rachen, Allergien, chronischen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Störungen und einem erhöhten Krebsrisiko.
Zur gesundheitlichen Bewertung der Innenraumluft können die Beurteilungswerte des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR) herangezogen werden.
Energieeffizienz mit guter Luftqualität in Einklang bringen
Eine bessere Wärmedämmung der Fassaden sowie dicht schließende Fenster und Türen tragen dazu bei, Energie einzusparen. Energieeffiziente Gebäude mit hoher Luftdichtheit reduzieren jedoch die Infiltration von Frischluft in die Innenräume. Eine zu hohe Luftdichtheit kann dazu führen, dass sich Stoffe, die im Innenraum freigesetzt werden, sich in der Raumluft anreichern. Deshalb sind regelmäßiges, aktives Lüften über Fenster oder der Betrieb von Lüftungsanlagen sowie ein durchdachtes Lüftungskonzept wichtiger denn je. Eine passende Planung beugt diesen Problemen vor und hilft zugleich, die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zu erfüllen. Die noch nicht in nationales Recht umgesetzte Richtlinie (EU) 2024/1275 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. April 2024 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden enthält ebenfalls Vorgaben zur Raumluftqualität und trägt dem optimalen Raumklima Rechnung.
Gesundheitsverträgliche und umweltverträgliche Produkte
Auf dem Markt sind zahlreiche emissionsarme und schadstoffarme Möbel, Wandfarben und Bodenbeläge für die Renovierung der Wohnung, die mit dem Umweltzeichen Blauer Engel oder mit dem Umweltzeichen der Europäischen Union, das EU Ecolabel, gekennzeichnet sind.
Durch REACH wird der Kenntnisstand über für Gesundheit und Umwelt schädliche Stoffe verbessert. Das wird sich langfristig positiv auf den Gesundheitsschutz und Umweltschutz verbrauchernaher Produkte auswirken.
Sick-Building-Syndrom und Multiple Chemikaliensensibilität
Beim Sick-Building-Syndrom ("Gebäude bezogenes Krankheitsbild") handelt es sich um eine Gruppendiagnose. Typisch ist, dass mehrere Menschen, die in einem Haus leben oder arbeiten, über dieselben Symptome klagen. Meist sind es Geruchsempfindungen oder Reizungen der Augen sowie der Schleimhaut von Nase und Rachen oder auch Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Müdigkeit.
Häufig finden Fachleute keine Ursachen – aber sobald die Betroffenen dieses Gebäude verlassen, geht es ihnen besser. Ob und inwieweit ein Zusammenhang mit der von betroffenen Personen selbst berichteten Chemikalienüberempfindlichkeit (Multiple Chemical Sensitivity, MCS) besteht, diskutieren Mediziner und andere Sachverständige gegenwärtig kontrovers.
Was kann ich selbst tun?
Für den Erhalt einer guten Innenraumluftqualität ist das regelmäßige und korrekte Lüften essenziell. Der Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden enthält Handlungsempfehlungen, die auch im Wohnbereich anwendbar sind.
Wenn neue Möbel, Wandfarben, Lacke, Tapeten, Bodenbeläge oder ähnliche Produkte angeschafft werden sollen, wählen Sie nach Möglichkeit emissionsarme Varianten, die mit dem Blauen Engel oder dem EU Ecolabel gekennzeichnet sind.