Noch einmal 235 Millionen Tonnen niedriger als im Vorjahr lag der Rohstoffbrauch der deutschen Wirtschaft in 2023. Ob der damit anhaltende Rückgang eine Wirtschaft im Sinkflug bedeutet oder eine Steigerung der Effizienz, müssen Analysten bewerten. Gleichermaßen spiegelt sich das im Rohstoff-Fußabdruck wider, der auf 14,3 Tonnen "pro Kopf-Verbrauch" zurückging und ohne Exporte gebildet wird. Knapp 2,4 Milliarden Tonnen Rohstoffe haben die Wirtschaft 2023 am Laufen gehalten.
Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zum gesamtwirtschaftlichen Rohstoffeinsatz für Deutschland im Jahr 2023 veröffentlicht. Grundlage ist eine komplexe Modellierung, die auf Zahlen der inländischen Rohstoffentnahme, des Im- und Exports sowie des nationalen Konsums und der Investitionstätigkeit aufsetzt. Zu den Rohstoffen zählen fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas, sämtliche Erze (Eisen-, Mangan- und Nicht-Eisenerze wie Aluminium und Kupfer), die Gruppe der Steine, Erden und Industrieminerale sowie biotische Rohstoffe in Form der Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei. Gemessen werden die Zahlen in Rohstoffäquivalenten. Dies ermöglicht sowohl die Erfassung der unmittelbar im Inland gewonnenen oder im Rohzustand importierten Rohstoffe, als auch der in importierten Waren enthaltenen oder anlässlich deren Produktion eingesetzten Rohstoffe. Die Ergebnisse können als Indikator für die Rohstoffabhängigkeit einer Gesellschaft genutzt werden und zeigen auf, in welcher Größenordnung sowie zu welchem Zweck Rohstoffe in das Wirtschaftsleben einfließen. Zentrale Kenngrößen sind der "Raw Material Input", also das erstmalige Aufkommen beziehungsweise die gesamte letzte Verwendung, und die "Raw Material Consumption", besser bekannt als der "Rohstoff-Fußabdruck". Letzterer entspricht dem "Raw Material Input" abzüglich der Exporte.
Weiter hohe Importabhängigkeit bei Erzen und fossilen Energieträgern
Fossile Energieträger wurden 2023 in einem Volumen von 577 Millionen Tonnen eingesetzt. Das waren rund 15,4 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Rund 81 Prozent davon stammten aus dem Ausland oder wurden dort zur Produktion hier importierter Waren eingesetzt. Die verbliebenen 19 Prozent entfielen nahezu vollständig auf die heimische Braunkohle. Rund ein Drittel des Bedarfs an fossilen Energieträgern war auf den Konsum privater Haushalte zurückzuführen. Knapp die Hälfte fand Eingang in den Export, diente also – soweit nicht direkt als Rohstoff ausgeführt – der Produktion von Gütern für das Ausland.
Ebenso wie bei den fossilen Energieträgern ist auch bei den Erzen die Importabhängigkeit unverändert geblieben. Sie lag hier bei (nahezu) 100 Prozent, was gleichbedeutend mit 722 Millionen Tonnen in 2023 war. Noch ausgeprägter ist hier der Wirtschaftsfaktor für die Exportnation Deutschland: 80 Prozent der Importmengen werden direkt wieder exportiert oder fließen in Produktionsprozesse ein, deren Erzeugnisse im Ausland veräußert werden.
Steine, Erden und biotische Rohstoffe über 60 Prozent aus heimischer Gewinnung
Bei Steinen, Erden und Industriemineralen hingegen werden mit 509 Millionen Tonnen gut 73 Prozent weiterhin im Inland gewonnen und auch mehrheitlich in der heimischen Bauwirtschaft eingesetzt (392 Millionen Tonnen). Absolut betrachtet sind beide Zahlen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken.
Bei den biotischen Rohstoffen konnte die heimische Gewinnung von 54 Prozent auf 61 Prozent des Gesamtaufkommens gesteigert werden. Das sind rund sieben Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr. 171 Millionen Tonnen gehen wieder in den Export, 159 Millionen Tonnen werden durch Konsum der privaten Haushalte "verzehrt".
Erneut Rückgang beim Rohstofffußabdruck in 2023
Im Gegensatz zum vorstehenden "Raw Material Input" berechnet sich der Rohstoff-Fußabdruck ausschließlich aus den "Verbrauchszahlen" für inländische Zwecke; das heißt für den Konsum privater Haushalte und des Staates, die Investition in Ausrüstungen und Anlagen sowie die Bautätigkeit. Die für den Export eingesetzten Rohstoffe dienen dagegen letztlich dem Konsum oder der Investition durch Abnehmer im Ausland und sind daher nur für den dortigen Rohstoff-Fußabdruck zu berücksichtigen. Zur besseren internationalen Vergleichbarkeit veröffentlicht das Statistische Bundesamt hierzu nicht allein die absoluten Zahlen, sondern auch den "pro Kopf-Verbrauch" an Rohstoffen. Für Deutschland ergibt sich nach vorläufigen Berechnungen ein pro Kopf-Rohstoffverbrauch von 14,3 Tonnen in 2023. Damit wird der bisher im Jahr 2020 erreichte niedrigste Wert seit 2010 noch einmal um 0,4 Tonnen unterschritten.
Weiter differenzierte Daten zum "Raw Material Input" und zur "Raw Material Consumption", darunter auch Produktivitätsindikatoren und Zahlen zur physischen Handelsbilanz sowie Informationen zur Methodik, veröffentlicht das Statistische Bundesamt hier und unterstützt damit administrative und politische Entscheidungsfindungen.