Die globale Konferenz zum Schutz wandernder Arten (CMS COP 15) erneuert die Warnung vor dem fortschreitenden Artenrückgang und verstärkt den Schutz vieler Arten. Die nächste COP wird 2029 in Bonn stattfinden.
In Brasilien hat die Weltgemeinschaft bei der 15. Konferenz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder Tierarten 40 bedrohte wandernde Tierarten unter Schutz gestellt. Die einzige wandernde Eulenart in Europa, die Schneeeule (Bubo scandiacus), unterliegt nun dem Schutz der Konvention und im konkreten sollen Gefährdungsursachen bekämpft und die Habitate besser verbunden werden. Ein großer Erfolg der Konferenz war die Unterschutzstellung von 21 Sturmtaucher- und Sturmvogelarten. Diese sind überwiegend auf dem offenen Meer oder während der Brut auf einsamen Inseln anzutreffen. Im marinen Bereich, für den sich Deutschland seit Jahren engagiert, wurden wichtige Fortschritte erzielt: es profitieren nun auch der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini), der Großer Hammerhai (Sphyrna mokarran) und mehrere Fuchshaie (Alopias spec.) von der strengsten Schutzkategorie. Fänge auch dieser Arten sind damit für die Vertragsparteien verboten. Die nächste Konferenz wird 2029 in Bonn stattfinden. Damit wird Bonn im 50. Jubiläumsjahr der "Bonner Konvention" erneut zum globalen Treffpunkt des Schutzes der wandernden Tierarten und die Weltgemeinschaft kehrt dann dorthin zurück, wo 1979 alles begann – in die UN-Stadt Bonn.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Die Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten kommt nach Hause. Wir freuen uns sehr, dass die Vertragsstaaten auf unsere Initiative hin beschlossen haben, die nächste Vertragsstaatenkonferenz 2029 in Bonn abzuhalten – an jenem Ort, an dem die Konvention 1979 unterzeichnet wurde. Den 50jährigen Geburtstag der "Bonner Konvention" in genau dieser Stadt feiern zu können, ist ein schönes Symbol für die besondere Verbundenheit Deutschlands, Zugvögel, Meeresschildkröten, Haie, Großkatzen und andere wandernde Tierarten vor dem Aussterben zu schützen. Dass die Weltgemeinschaft dann schon ein halbes Jahrhundert gemeinsam im Einsatz sein wird, macht Mut für die weitere Zusammenarbeit."
Für die Populationen des Hundshai (Galeorhinus galeus) im Mittelmeer und Nordostatlantik wurde ein internationaler Aktionsplan beschlossen. Der Aktionsplan beinhaltet unter anderem Maßnahmen zum nachhaltigen Fischereimanagement. Da der Nachwuchs des Hundshais auch im deutschen Wattenmeer anzutreffen ist, ist auch Deutschland hier direkt verantwortlich. Zudem beschloss die Konferenz ein Anlandeverbot versehentlicher Fänge für alle strengst geschützten Arten. Das versehentliche Fangen von Arten beider Schutzkategorien soll vermieden werden.
Der neue internationale Aktionsplan zum Schutz des stark bedrohten Europäischen Aals (Anguilla anguilla) fordert unter anderem alle Staaten mit Vorkommen der Art dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, damit die Aalfischerei im Einklang mit wissenschaftlichen Empfehlungen zur nachhaltigen Nutzung steht.
Die Vertragsparteien stärkten darüber hinaus den Schutz von Zugvögeln, indem sie eine Initiative gegen illegale und nicht nachhaltige Entnahme ins Leben riefen. Die Initiative fördert insbesondere die weltweite Zusammenarbeit und den Daten- sowie Wissensaustausch.
Der im Vorfeld der 15. Konferenz veröffentlichte Zwischenbericht des Globalen Berichts zum Zustand wandernder Arten verdeutlicht, wie dringend die Tierarten stärkeren Schutz und internationale Zusammenarbeit benötigen. Der Zustand hat sich bei fast der Hälfte der geschützten Arten weiter verschlechtert. Ein Viertel ist vom Aussterben bedroht. Hauptgründe sind die anhaltenden Habitatverluste und -verschlechterung, Unterbrechung der Zugwege sowie nicht nachhaltige Bejagung und Befischung.
Während der Konferenz wurde die Internationale Naturschutzakademie am Bundesamt für Naturschutz für ihr jahrelanges Engagement zum Schutz der wandernden Tierarten in der Zentralasiatischen Säugetierinitiative (Central Asia Mammals Initiative – CAMI) geehrt. Unter CAMI werden die Schutzbedürfnisse von 17 Arten in Zentralasien adressiert. Die Initiative bringt die Staaten mit Vorkommen dieser Art zusammen um gemeinsam die grenzüberschreitende Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen voranzubringen.
Hintergrund:
Über CMS:
Die 15. Konferenz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals – CMS COP 15) fand vom 23. bis 29. März 2026 in Campo Grande, Brasilien, dem Tor zum Pantanal, statt. Das größte tropische Feuchtgebiet ist Heimat zahlreicher Tierarten und bietet eine Lebensgrundlage für den Menschen. Es repräsentiert damit das zentrale Thema der Konferenz: "Connecting Nature to Sustain Life" (Natur verbinden, um Leben zu erhalten). Der Jaguar und der Pintado, ein Katzenwels der Tropen, standen als Wappentiere der Konferenz für das Pantanal. Für die Arten konnte der praktische Artenschutz forciert werden.
Das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS) hat 133 Mitgliedstaaten. Es erfasst wandernde Tierarten, deren Populationen bei ihren Wanderungen regelmäßig Staatsgrenzen überschreiten. Die Konvention unterscheidet zwischen den Schutzkategorien Anhang I (stark gefährdet) und Anhang II (Arten die internationaler Zusammenarbeit bedürfen).
Alle drei Jahre findet eine Konferenz der Vertragsparteien statt (Conference of the Parties, COP) – dieses Mal zum ersten Mal in Zentralasien. Deutschland gehört zu den größten Unterstützern der Konvention, die wegen ihres ersten Zeichnungsortes auch Bonner Konvention genannt wird und deren Sekretariat auch in Bonn ist. Die Konvention hat ein breites Mandat, verschiedenste Treiber des Artenverlustes zu adressieren. Zur Verfügung stehen verschiedene Instrumente wie Entnahmeverbote, Verpflichtungen zur Zusammenarbeit sowie die Verabschiedung von konkreten Initiativen und Aktionsplänen zu Artengruppen oder Aktionsplänen. CMS ist insgesamt ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der Ziele des GBF.
Central Asian Mammals Initiative – CAMI
Über das Bundesamt für Naturschutz (BfN) setzt sich Deutschland schon lange für wandernde Tierarten in Zentralasien ein. Die langjährige Kooperation zwischen BfN, zentralasiatischen Staaten und CMS hat bereits zu beachtlichen Erfolgen geführt: So wurden etwa konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet, die zum Abbau von Wanderrouten-trennenden Zäunen in der Mongolei führten. Erstmals seit 65 Jahren konnten so Asiatische Wildesel wieder in große Gebiete ihres früheren Habitats in der östlichen Mongolei wandern.