Carsten Schneider zum 35. Treffen des UN International Resource Panels (IRP)

10.06.2026
Carsten Schneider
Deutschland setzt auf Kreislaufwirtschaft zur Reduzierung auf 6-8 Tonnen pro Kopf jährlich und ist nun offizielles Mitglied der Global Alliance on Circular Economy and Resource Efficiency (GACERE).

– Es gilt das gesprochene Wort! –

Sehr geehrte Vorsitzende des International Resource Panel,
sehr geehrte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Regierungen,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen in Berlin und online. Ihre Anwesenheit heute ist für uns nicht selbstverständlich. Die Lage in vielen Regionen der Welt ist angespannt und das erschwert die internationale Zusammenarbeit. Es freut mich deshalb besonders, dass ich Sie zu diesem internationalen Treffen begrüßen darf.

Gemeinsame Herausforderungen brauchen gemeinsame Antworten. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten sind die Basis für diese Antworten. Sie sind hier versammelt, um genau daran zu arbeiten, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Vertreterinnen und Vertretern aus allen Weltregionen.

Das International Resource Panel leistet seit seiner Gründung genau das: Es liefert die verlässliche wissenschaftliche Grundlage, auf der verantwortungsvolle Ressourcenpolitik aufgebaut werden kann. Deutschland ist seit Anbeginn ein engagierter Partner und Unterstützer dieses Panels. Wir sind stolz darauf, in diesem Jahr der Gastgeber zu sein.

Die zentrale Botschaft des IRP ist so einfach wie stark: Wohlstand und sinkender Ressourcenverbrauch müssen sich nicht ausschließen. Im Gegenteil. Wirtschaftlicher Fortschritt ist langfristig überhaupt nur möglich, wenn wir aufhören, unsere Erde auszubeuten. Wenn wir aufhören, nach dem Prinzip zu leben und zu wirtschaften "nehmen, nutzen, wegwerfen".

Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht bei der Kreislaufwirtschaft. Das war ein schrittweiser Prozess. Inzwischen ist Kreislaufwirtschaft bei uns gelebte Praxis. 

Wir haben gesehen, dass ressourcenschonendes Wirtschaften in Kreisläufen Innovationen freisetzt, Arbeitsplätze schafft und Importabhängigkeiten mindert. Das gilt von der Pfandflasche bis hin zu innovativen Ansätzen bei Umwelttechnologien und Clean Tech. 

In der Green Economy wurden 2024 nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums fünf Billionen Dollar umgesetzt. Und sie wächst weiter. Darin steckt ein riesiges Potenzial. Kreislaufwirtschaft ist eine Chance für unsere Wirtschaft. Und sie macht uns unabhängiger von Rohstoffimporten aus allen Teilen der Welt.

Ihr "Global Resource Outlook" zeigt einen klaren Trend: Der globale Ressourcenverbrauch hat sich in den letzten fünfzig Jahren mehr als verdreifacht. Seit 1970 auf rund 100 Milliarden Tonnen Materialverbrauch weltweit. Wenn wir so weitermachen, werden wir bis 2060 sogar 160 Milliarden Tonnen verbrauchen. Das dürfen wir nicht akzeptieren. 

Deshalb brauchen wir Sie. Wir brauchen Ihre Forschung, Ihre Daten, Ihre Modelle. Das ist die Grundlage für wirksame Politik. Ihre Arbeit ist wissenschaftlich und politisch relevant und wird gebraucht. Wir nutzen sie für unsere Strategien und Programme. 
Ein Beispiel: In unserer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie orientieren wir uns an den Berechnungen des IRP, um unseren Ressourcenverbrauch auf 6-8 Tonnen pro Kopf und pro Jahr zu reduzieren. 

In angespannten Zeiten ist die Versuchung groß, sich zurückzuziehen und nationale Interessen über globale Verantwortung zu stellen. Aber das ist falsch. Denn die Ressourcenkrise macht an keiner Grenze halt. Deswegen sind Partnerschaften wie die Global Alliance on Circular Economy and Resource Efficiency (GACERE) so wichtig. Ich möchte die Mitglieder dieser Alliance in Berlin willkommen heißen. 
Deutschland ist nun auch offiziell Mitglied. Wir freuen uns darauf, die gute Zusammenarbeit fortzusetzen.

Lassen Sie uns die gemeinsamen Tage in Berlin nutzen, um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik zu vertiefen.

Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Tagung, konstruktive Debatten und die Zuversicht, dass unsere gemeinsame Arbeit einen Unterschied macht.

Herzlichen Dank.

10.06.2026 | Rede Ressourcen
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