Rede von Bettina Hagedorn anlässlich des UN-Dekade-Projektwettbewerbs 2025

21.09.2026
Bettina Hagedorn am Rednerpult
Die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn zeichnete in Berlin die Gewinnerprojekte des UN-Dekade Projektwettbewerbs 2025 Stadtnatur aus und hielt zu diesem Anlass eine Rede.

– Es gilt das gesprochene Wort! –

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Preisträgerinnen und Preisträger!

Ich freue mich sehr, heute drei der Gewinner Projekte des UN-Dekade- Wettbewerbs 2025 zum Thema "Stadtnatur" würdigen zu dürfen.

Zunächst möchte ich Ihnen allen natürlich ganz herzlich zum Gewinn gratulieren. Und ich möchte Danke sagen für Ihr Engagement und Ihre Begeisterung für den Natur- und Klimaschutz. Beides ist alles andere als selbstverständlich!! Sie wurden mit Ihren Projekten von unserer Jury aus insgesamt 45 eingereichten Projekten ausgewählt. In der Jury saßen das BMUKN, das BfN sowie Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats als auch der Jungen Partnerinnen und Partner der UN-Dekade.

Bei der Auswahl der Gewinnerprojekte ging es der Jury im Wesentlichen um drei Fragen:

  • Wie relevant ist ein Projekt für die Erhaltung und die Wiederherstellung von Stadtnatur?
  • Hat es einen bundesweit beispielgebenden Charakter?
  • Und gelingt es, die Menschen vor Ort einzubeziehen?

Ich finde, die drei Projekte, die heute von mir ausgezeichnet werden, stehen für ganz unterschiedliche Ansätze und zeigen vorbildlich, wie überzeugende Antworten auf diese Fragen aussehen können. Denn das macht es ja so interessant: Wiederherstellung von Ökosystemen muss nicht irgendwo weit entfernt stattfinden, sondern kann mitten unter uns erlebbar gemacht werden. Das klappt in Städten wie hier in Berlin, an Schulen und sogar auf Hochschulgeländen.

Bevor sich die Projekte gleich selbst vorstellen, möchte ich kurz den Blick auf die größere Bedeutung dieses Themas richten.

Die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme ist eine der großen ökologischen Aufgaben unserer Zeit. Es geht darum, natürliche Lebensräume zu erhalten und wiederherzustellen, die biologische Vielfalt zu sichern und Ökosysteme insgesamt widerstandsfähiger zu machen. Widerstandsfähiger gegen Einflüsse des Menschen und vor allem gegen die Folgen des Klimawandels, dessen Auswirkungen nicht erst seit diesem Sommer deutlich spürbar sind.

Dass diese Aufgabe inzwischen zu Recht auch politisch und rechtlich einen deutlich höheren Stellenwert bekommen hat, spiegelt sich in der EU-Wiederherstellungsverordnung. Sie ist seit August 2024 in Kraft und schafft erstmals einen verbindlichen europäischen Rahmen für die Wiederherstellung von Ökosystemen. Und sie berücksichtigt dabei ausdrücklich Städte; Gemeinde und Kommunen.

Das ist mehr als richtig, denn der Druck auf die Freiräume in unseren Städten wächst immer mehr. Wir brauchen Wohnraum, wir brauchen Infrastruktur, aber wir brauchen auch Stadtgrün. Schon heute stehen die verfügbaren Flächen in enormer Konkurrenz.

Wenn wir über Wiederherstellung sprechen, denken viele zunächst an Wälder, Moore, Flüsse, Meere oder Landschaften. Aber auch Städte sind Ökosysteme und sie bieten erstaunlich viel Raum für Natur. Stadtnatur ist viel mehr als ein bisschen Grün zwischen Häusern.

Parks und Gärten, Straßenbäume, Grünflächen, begrünte Dächer und Fassaden, Innenhöfe, Brachflächen, Gewässer oder Stadtwälder schaffen wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Durch die vielen unterschiedlichen, teilweise sehr kleinteiligen Strukturen kann die biologische Vielfalt in Städten sogar besonders hoch sein. Auf engem Raum finden sich ganz unterschiedliche und vielfältige Lebensräume. Viele Pflanzen- und Tierarten haben sich an die besonderen Bedingungen in Städten angepasst.

Stadtnatur leistet aber noch mehr.

Gerade mit Blick auf den vorhin bereits erwähnten Klimawandel wird klar, wie wichtig Grün- und Freiräume für unsere Städte sind. Begrünte Dächer und Fassaden können das Mikroklima verbessern. Unversiegelte Flächen nehmen Wasser auf. Regenwasser kann versickern und gespeichert werden, damit beim nächsten Starkregen nicht die Kanalisation überläuft und in Dürreperioden Bäume weiter spenden Schatten und durch Verdunstung kühlen können.

Stadtnatur ist auch darum etwas, das für die Menschen vor Ort ganz direkt spürbar ist, nämlich als Lebensqualität.

Grüne Orte in Städten und Kommunen schaffen Möglichkeiten für Erholung, Spiel, Bewegung und Begegnung. Sie verschönern das Wohnumfeld und können gerade dort einen Unterschied machen, wo Menschen ansonsten nur wenige Möglichkeiten haben, Natur zu erleben oder sich einfach auf eine grüne Wiese zu setzen. Gerade für Kinder und Jugendliche sind solche Orte zur Naturerfahrung wichtig.

Damit sind wir auch sofort bei der Frage nach sozialer Gerechtigkeit. Denn der Zugang zu Grün ist eben nicht überall gleich. Wenn wir die Stadtnatur aufwerten und wiederherstellen, verbinden wir ökologische und soziale Ziele miteinander.

Darum geht es auch der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Die Vereinten Nationen haben sie für die Jahre 2021 bis 2030 ausgerufen; Deutschland beteiligt sich daran. Das Bundesumweltministerium setzt die UN-Dekade gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz mit einem eigenen Kommunikationsprojekt um. Dabei wollen wir die Aufmerksamkeit für die Wiederherstellung von Ökosystemen erhöhen und die Bedeutung dieses Themas stärker in Gesellschaft und Politik in den Blick rücken.

Wir sollten also nicht nur über Wiederherstellung sprechen. Wir müssen auch zeigen, wo sie bereits ganz konkret stattfindet und was wir und andere daraus lernen können. Denn die genannten großen Aufgaben bei der Wiederherstellung unserer Ökosysteme werden wir nicht allein mit staatlichen Maßnahmen bewältigen. Wir brauchen Kommunen, Wissenschaft und Bildungseinrichtungen, Verbände, Unternehmen und vor allem brauchen wir engagierte Menschen wie Sie, die vor Ort loslegen.

Genau das haben Sie alle auf eindrucksvolle Weise getan! Deshalb freue ich mich jetzt sehr darauf, Ihnen Ihre Auszeichnung und Ihre Urkunde persönlich zu überreichen.

Zuerst die Initiative "Blühender Campus" der Freien Universität Berlin Herzlichen Glückwunsch an Sie, sehr geehrter Herr Kunstmann (studentischer Sprecher des Blühenden Campus)! Sie vertreten heute auch die Gesamtkoordinatorin des Projektes Blühender Campus, Frau Rongstock. Vielen Dank für Ihren Einsatz für Stadtnatur im Bildungsbereich und Ihre innovative Idee, Biodiversität als neuen Standard an Universitäten zu etablieren!

Als nächstes das Projekt "Schulwälder gegen Klimawandel" der Stiftung Zukunft Wald Herzlichen Glückwunsch an Sie, sehr geehrte Frau Stück (Kuratorin der Stiftung Zukunft Wald und Leiterin des Referats 62 "Natura 2000 und Schutzgebiete" im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz) und an Sie, sehr geehrte Frau Hüsing (Direktorin der Stiftung Zukunft Wald)!

Vielen Dank, dass Sie Wiederherstellung und Umweltbildung von Kindern so wunderbar miteinander verbinden, und besonderen Dank auch an die Kinder, die die Ideen und Erfolge des Projektes wirklich in die Mitte unserer Gesellschaft tragen.

Und abschließend das Projekt "Mehr Bienen für Berlin – Berlin blüht auf!" der Deutschen Wildtierstiftung. Herzlichen Glückwunsch an Sie, sehr geehrter Herr Bluth (Projektleitung "Mehr Bienen für Berlin" der Deutschen Wildtierstiftung)! Ihr Projekt in Kooperation mit dem Land Berlin, zeigt, wie Artenschutz – am Beispiel der meist solitären Wildbienen – auch in einer Millionenstadt gelingen kann. Dafür sage ich vielen Dank!

Und nun bin ich gespannt, mehr darüber zu erfahren, wie Sie Ihre Projekte konkret umgesetzt haben und welche Erfahrungen Sie mit uns teilen können.

Ich freue mich deshalb sehr, Ihnen jetzt selbst das Wort zu geben.

Vielen Dank.

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21.09.2026 | Rede Stadtnatur

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