Rede von Carsten Schneider: "Frauen stärken Klima-, Umwelt- und Naturschutz"

04.03.2026
Carsten Schneider spricht mit Medienvertretern.
Carsten Schneider betont in seiner Rede zum Internationalen Frauentag die zentrale Rolle von Frauen im Klima- und Umweltschutz und dankt ihnen für ihr Engagement.

– Es gilt das gesprochene Wort! 

Ich freue mich, dass Sie alle da sind und begrüße Sie sehr herzlich.

Im Bundesumweltministerium ist heute schon Frauentag. Wir sind einfach gern vor der Welle, das sieht man auch heute Nachmittag.  

Ich habe in der Vergangenheit in meiner Rolle als Ostbeauftragter regelmäßig Veranstaltungen für Frauen organisiert. Natürlich treffe ich viele von Ihnen auch an den anderen Tagen des Jahres. Dennoch habe ich es immer als inspirierend und bereichernd empfunden, gezielt Frauen zusammenzubringen, und den Fokus auf Ihre Anliegen und Sichtweisen zu richten. Deswegen freue ich mich sehr, dass ich hier im Bundesumweltministerium an diese Tradition anknüpfen kann.

Rosen werden Sie heute von mir nicht bekommen – keine Sorge – dafür aber ein ehrliches Danke. Danke für das Engagement von Ihnen und vielen anderen Frauen für unsere Gesellschaft und für unser Land. Heute wollen wir über die besondere Rolle von Frauen im Klima- und Umweltschutz reden. Denn diese besondere Rolle gibt es ohne Zweifel. Wir als Umweltministerium wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen und Ihre Sicht der Dinge hören. Vor allem aber geht es darum, dass Sie sich untereinander vernetzen, sich austauschen. 

Es waren und sind immer wieder Frauen, die dem Schutz von Umwelt und Klima öffentlich eine starke Stimme verliehen haben. Nehmen wir Wangari Matthai. Die mittlerweile leider verstorbene Umweltaktivistin hat mit ihrem Green Belt Movement Millionen von Bäumen gepflanzt und dabei gezielt Frauen aus ländlichen Gebieten unterstützt. Oder Luisa Neubauer – ich freue mich sehr, liebe Luisa, dass du heute hier bist. Ihr habt mit Fridays for Future eine vermeintlich unpolitische Generation für den Klimaschutz begeistert. Oder Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris: Sie hat dafür gesorgt, dass Radwege gebaut und Bäume gepflanzt wurden. Gegen alle Meckerer und Bremser, die das für unmöglich hielten. Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen.

Immer wieder sind es gerade Frauen, die sich engagieren, um das Klima zu schützen. Die aktiv werden, um unsere Erde für zukünftige Generationen lebenswert zu halten. Frauen wie Sie, die heute hier sind! Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. In Ländern des globalen Südens sind es oft Frauen, die neue Wege in der Energieversorgung oder in der Landbewirtschaftung gehen. Denn sie sind dafür zuständig, ihre Familien mit Wasser, Nahrung und Energie zu versorgen. Sie müssen Lösungen finden, wenn der Klimawandel Quellen austrocknen lässt und Äcker unfruchtbar macht.

Für Deutschland wissen wir aus der Umweltbewusstseinsstudie, dass Frauen umweltbewusster sind als Männer. Plastikmüll in der Natur verringern, Atommüll sicher entsorgen, Kreislaufwirtschaft fördern – all das finden Frauen wichtiger als Männer. Zwei Drittel der Frauen halten es für sehr wichtig, die Erderhitzung auf unter zwei Grad zu begrenzen, wie es im Pariser Klimaabkommen vereinbart ist. Bei den Männern sind es nur 50 Prozent. Frauen haben offenbar besser verstanden als Männer, dass Klima- und Umweltschutz für unsere Zukunft essentiell sind. Und sie handeln auch danach, verschaffen sich Gehör und ziehen andere mit.

Vielleicht haben Sie das aber schon mitgehört: Frauen sind in Zukunftsbranchen wie Energie, Verkehr und Green-Tech nach wie vor unterrepräsentiert. Sie haben deutlich seltener Führungspositionen als Männer. Ähnlich sieht es in der Politik aus: Der Frauenanteil der Abgeordneten im Bundestag liegt beispielsweise bei knapp einem Drittel.  Das ist nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit ein Problem. Das ist auch ein Problem für die Umwelt. Denn von Frauen geführte Unternehmen schneiden bei Umwelt- und Klimaschutz besser ab.

Und Studien zeigen: Parlamente mit hohem Frauenanteil ratifizieren häufiger internationale Abkommen oder beschließen Konzepte gegen den Klimawandel. Frauen sind dort unterrepräsentiert, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig sind sie jedoch überdurchschnittlich stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Der Klimawandel verschärft bestehende Ungleichheit und Ungerechtigkeit zusätzlich. Ich will das anhand einer Zahl veranschaulichen: Nach Angaben der Vereinten Nationen ist die Wahrscheinlichkeit, bei extremen Wetterereignissen zu Tode zu kommen, für Frauen und Mädchen 14-mal so hoch wie für Männer. Weil sie, gerade in Ländern mit niedriger Wirtschaftskraft, schlechter mit Informationen versorgt werden, weniger mobil sind, weniger Ressourcen haben.

Auch bei uns in Deutschland sehen wir Unterschiede. Unter Hitzewellen zum Beispiel leiden Frauen stärker als Männer. Weil Hitze zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen kann, weil häusliche Gewalt dann zunimmt, weil Frauen zusätzliche Care-Arbeit für andere übernehmen. Oder weil sie als Alleinerziehende in kleinen Wohnungen leben, die sich schneller aufheizen. Die spezifischen Bedürfnisse von Frauen werden leider oft noch nicht ausreichend berücksichtigt. Aber es gibt vielversprechende Zeichen, dass sich das ändert.

Zum Beispiel wurde auf der letzten Klimakonferenz, der COP 30, ein Gender-Aktionsplan verabschiedet. Gegen heftigen Widerstand von konservativen Staaten. Das ist ein großer Erfolg. Der Plan ist auf neun Jahre angelegt und verpflichtet die Staaten, bei Klimaschutz, Anpassung und Finanzierungsmaßnahmen systematisch auf Geschlechtergerechtigkeit zu achten. Das Bundesumweltministerium arbeitet eng mit der Women Ocean Guardians Initiative zusammen. Die Initiative unterstützt Frauen, die sich für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere einsetzen.

Bei der letzten Weltchemikalienkonferenz in Bonn wurde eine Partnerschaft zum Thema Gender und Chemikalien ins Leben gerufen, die Regierungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringt. Das zeigt: Vieles ist in Bewegung beim Thema Gleichberechtigung und Teilhabe. Vieles Weitere muss sich noch ändern. Das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. 

Deshalb müssen wir in der Umwelt- und Klimapolitik die soziale  Geschlechterdimension stärker in den Blick nehmen: Welche Folgen hat der Klimawandel für Rentnerinnen in kleinen Wohnungen, mit kleinem Geldbeutel? Was bedeutet der Klimawandel für Mütter oder für Schwangere? Wie können wir diese Gruppen unterstützen? Welche Maßnahmen wünschen sie sich von uns? Ich bin fest davon überzeugt: Klimaschutz gelingt nur dann, wenn er sozial gerecht ist. Nur dann machen alle mit. Nur so stößt er auf Akzeptanz. Im neuen Klimaschutzprogramm der Bundesregierung werden wir erstmals die soziale Dimension aller Maßnahmen berücksichtigen. Das ist ein bedeutender Schritt. Wir setzen mehr Verteilungsgerechtigkeit durch und sorgen damit zugleich für mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Es gibt noch einen weiteren Zusammenhang zwischen Gleichstellung und Klimaschutz: Beide stehen derzeit unter Beschuss. Rechtspopulisten und -extremisten verfolgen eine rückwärtsgewandte, teils menschenverachtende Agenda. Sie erklären alles, was progressiv ist, zum Feindbild. Im Bereich der Wirtschaft sieht man, dass wieder häufiger in alte Rekrutierungsmuster verfallen wird. 

Der aktuellste Bericht der deutsch-schwedischen Albright-Stiftung, der die Frauenanteile in den Führungsetagen der großen deutschen Unternehmen untersucht, kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Nach Jahren der positiven Entwicklung, stagniert der Frauenanteil in den Vorständen der 160 börsennotierten Unternehmen jetzt auf niedrigem Niveau. Bei den Neubesetzungen wird wieder häufiger auf Männer zurückgegriffen, der Frauenanteil unter den neu hinzugekommenen Vorstandsmitgliedern lag vor zwei Jahren noch bei 37 Prozent und beträgt aktuell nur noch 20 Prozent. Gleichstellung verliert in Unternehmen an Priorität.

Ich sage ganz deutlich: Einen Backlash – ob in der Umweltpolitik oder in der Gleichstellung – darf es nicht geben! Die Welt um uns herum verändert sich rasant. Wir können nicht zurück in die Vergangenheit, sondern wir müssen ein besseres Morgen gestalten. Dazu gehört Politik für Geschlechtergerechtigkeit ebenso wie eine fortschrittliche Umweltpolitik.  

Die Gleichstellung von Frauen in allen Bereichen der Klimapolitik ist aber nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit. Sie ist auch eine Frage der Wirksamkeit. Denn in einer Zeit, wo der Klimawandel uns vor enorme Herausforderungen stellt, sind die Expertise, die Ideen und die Kraft von Frauen unverzichtbar. Auch darüber sollten wir heute diskutieren.

Ich freue mich, dass so viele Frauen unserer Einladung gefolgt sind, bedanke mich bei Ihnen für Ihre wichtige Arbeit und wünsche Ihnen einen anregenden Austausch.

Ein besonderer Dank geht auch an alle Frauen, die heute das Programm aktiv mitgestalten. Mit Musik, Moderation, mit Impulsen und auf dem Panel. Schön, dass Sie dabei sind.

Jetzt freue ich mich auf den Nachmittag mit Ihnen!

04.03.2026 | Rede Klimaschutz
https://www.bundesumweltministerium.de/RE11665
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