Bundesumweltministerium erteilt Auftrag zur Entwicklung einer mobilen Entsorgungsplattform für Munition im Meer

17.09.2026
Zwei Bergungsschiffe auf dem Meer.
Das BMUKN hat den Auftrag zur Entwicklung einer mobilen Entsorgungsanlage auf See erteilt. Die zu bauende Anlage soll die nach den Weltkriegen in Nord- und Ostsee verklappte Altmunition bergen und unschädlich machen.

Das Bundesumweltministerium hat heute den Auftrag zur Entwicklung einer mobilen Entsorgungsanlage auf See erteilt. Die Anlage, die anschließend gebaut werden soll, soll die nach den Weltkriegen in Nord- und Ostsee verklappte Altmunition bergen und unschädlich machen. Mit diesem Schritt wird ein weiterer wichtiger Meilenstein für den Schutz von Nord und Ostsee erreicht. Die nach den Weltkriegen in Nord- und Ostsee versenkte Munition stellt nämlich durch Korrosion und Zerfall eine erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Die Plattform wird die erste solche Anlage weltweit sein und soll damit nicht nur zum Meeresschutz beitragen, sondern auch die Entwicklung einer neuen industriellen Technologie voranbringen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Mit der heutigen Vergabe gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt, unsere Hausmeere systematisch von alter Munition zu befreien. Mit unserem Pioniervorhaben sollen Munitionsaltlasten im großen Stil geborgen und vor Ort auf See vernichtet werden. Das ist weltweit einmalig. Wir kümmern uns als bislang einziger Staat um eine konkrete Lösung des Problems. Das eröffnet auch neue Chancen für die industrielle Entwicklung an unseren Küsten. Denn die Nachfrage nach Lösungen zur Bergung von Munition wird international weiter wachsen."

Der Auftrag für den Bau der Anlage geht an die Bietergemeinschaft "DSTAR", die aus drei Unternehmen besteht: Dynasafe Demil Systems AB (Schweden) plant, baut und betreibt Lösungen und Anlagen für die sichere und umweltfreundliche Entsorgung konventioneller und chemischer Munition; SeaTerra GmbH (Wandlitz/Brandenburg) ist spezialisiert in der Kampfmittelsondierung und -räumung; und die Werft Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft SE (Lemwerder/Niedersachsen) entwickelt und baut Spezialschiffe.

Nach der Vergabe beginnen nun Entwicklung, Konstruktion und später der Bau der ersten Entsorgungsplattform. Bereits bei erfolgreichen Pilotierungs-Erkundungen und -Bergungen in 2024 und 2025 vor den Küsten Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns wurden wertvolle Erkenntnisse für sichere und effiziente Arbeiten in den Munitionsversenkungsgebieten gewonnen. Die Anlage könnte nach jetzigen Planungen Ende 2028 fertig gestellt werden. Begonnen werden soll mit den Bergungen dann in einer erweiterten Pilotphase zunächst in der Ostsee und anschließend in der Nordsee.

Auf dem Meeresgrund der deutschen Teile von Nord- und Ostsee liegen 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten – so viele wie in einen Güterzug passen, der von Paris bis Moskau reicht. Durch Korrosion der Munitionshüllen werden zunehmend giftige, krebserregende und das Erbgut verändernde Sprengstoffverbindungen freigesetzt, die Meerestiere bedrohen, aber auch in die menschliche Nahrungskette gelangen können.

Deutschland hat 2023 das Sofortprogramm Munitionsaltlasten gestartet, für das insgesamt rund 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die zukünftige schwimmende Entsorgungsanlage ist ein zentrales Element des Sofortprogramms. Mit Blick auf die Anschlussfinanzierung für den Betrieb der Plattform haben Bund und Länder vereinbart, dass der Bund hierfür in den ersten sechs Jahren jeweils 50 Millionen Euro bereitstellen wird. Nach dieser erweiterten Pilotphase soll die langfristige Finanzierung durch Bund und Länder erfolgen.

17.09.2026 | Pressemitteilung Nr. 114/26 | Meeresschutz
https://www.bundesumweltministerium.de/PM11911
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