Dorothee Bär und Carsten Schneider: "Weltbiodiversitätsrat IPBES unterstreicht die zentrale Rolle der Wirtschaft beim Schutz der biologischen Vielfalt"

09.02.2026
Luchsmutter mit Baby im Nationalpark Bayerischer Wald / Deutschland
Der Weltbiodiversitätsrat IPBES zeigt in einem neuen Bericht: Ohne aktive Mitarbeit der Wirtschaft lässt sich der Verlust der biologischen Vielfalt nicht stoppen.

IPBES veröffentlicht auf seiner 12. Vollversammlung Bericht zu den Zusammenhängen zwischen Biodiversität und Wirtschaft

"Alle Unternehmen sind von biologischer Vielfalt abhängig, haben wiederum Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und können aktiv zu deren Schutz beitragen", so der Bericht des Weltbiodiversitätsrats zu den Zusammenhängen zwischen Biodiversität und Wirtschaft. Dennoch wird die Natur in unternehmerische und andere wirtschaftliche Entscheidungsprozesse bisher vielfach nicht einbezogen, was entscheidend zu einem beispiellosen Verlust an biologischer Vielfalt beiträgt. Nach Schätzungen des Berichts beliefen sich Finanzströme mit negativen Auswirkungen auf die Natur im Jahr 2023 auf 7,3 Billionen US-Dollar; davon zwei Drittel aus dem Privatsektor (4,9 Billionen US-Dollar) und ein Drittel für umweltschädliche Subventionen (circa 2,4 Billionen US-Dollar). Demgegenüber stehen lediglich 220 Milliarden US-Dollar an öffentlichen und privaten Finanzmitteln, die für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt eingesetzt werden. Der Bericht wurde auf der jährlichen Sitzung der IPBES-Vollversammlung vorgestellt und besprochen, die in diesem Jahr zum zwölften Mal, vom dritten bis achten Februar 2026 in Manchester, Vereinigtes Königreich stattgefunden hat.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Unternehmen haben viele Möglichkeiten, zum Erhalt unserer Natur beizutragen und es ist wichtig, dass sie es auch tun. Das ist auch in ihrem ureigenen langfristigen Interesse, denn die Natur bildet die Grundlage jeden Wirtschaftens. Die Politik kann die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize setzen, damit erfolgreiches Wirtschaften, eine intakte Umwelt und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Der heute veröffentlichte Bericht des Weltbiodiversitätsrates gibt dafür wichtige Impulse."

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär: "Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine zentrale Zukunftsaufgabe, die wir nur gemeinsam mit einer starken Wirtschaft bewältigen können. Intakte Ökosysteme sind wichtig für Wohlstand, stabile Lieferketten und langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Der IPBES-Bericht verdeutlicht, welche große Rolle Forschung und moderne Technologien spielen, um mit innovativen Ansätzen den Schutz von Natur und Artenvielfalt voranzubringen. Auf diese Weise entstehen zukunftsfähige Lösungen, die die Verantwortung für die Umwelt mit wirtschaftlicher Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit verbinden."

Der IPBES-Bericht führt aus, dass den Unternehmen bereits jetzt ausreichend Methoden, Kenntnisse und Daten zur Messung der Auswirkungen und Abhängigkeiten zur Verfügung stehen, auf deren Grundlage sie schon heute aktiv zum Schutz der biologischen Vielfalt beitragen können. Diese beinhalten zum Beispiel die Berücksichtigung von Biodiversität in Unternehmensstrategien, beispielsweise durch die Festlegung ambitionierter Biodiversitätsziele, die Messung und Überwachung der Wirkungen ihres Handelns oder verstärkte Zusammenarbeit mit Akteuren entlang der Wertschöpfungskette. Neben den Handlungsoptionen für Unternehmen, den Finanzsektor und die Zivilgesellschaft enthält der Bericht auch Optionen für die Politik, um die erforderlichen günstigen Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften zu schaffen, damit die Unternehmen ihre Rolle als Schlüsselakteure eines transformativen Wandels zu einer gerechten und nachhaltigen Zukunft erfüllen können.

Die im Bericht hervorgehobenen Optionen fördern unter anderem Unternehmensverantwortung und -transparenz sowie das Bewusstsein von Produzenten und Konsumenten über Abhängigkeiten und Auswirkungen auf die Natur. Zudem bieten sie eine Grundlage für biodiversitätskonforme Finanz- und Investitionsentscheidungen. So können Anreize für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt geschaffen werden und wirtschaftliche Aktivitäten in Einklang mit den natürlichen Lebensgrundlagen sowie nationalen und globalen Biodiversitätszielen gebracht werden.

Hintergrund:

Der IPBES-Bericht zu Wirtschaft und Biodiversität verdeutlicht, dass der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Biodiversität eine Gemeinschaftsaufgabe vieler Akteure aus Politik, Wirtschaft, Finanzsektor und Zivilgesellschaft darstellt.

Die Handlungsoptionen für Unternehmen umfassen konkrete Maßnahmen auf unterschiedlichen Entscheidungsebenen. Auf Unternehmensebene können ehrgeizige, ergebnisorientierte Verpflichtungen und Ziele mit Blick auf die biologische Vielfalt festgelegt werden. Auf Standortebene können Konzepte etabliert werden, mit welchen Verluste von Biodiversität zuerst vermieden, dann minimiert und erst danach durch Wiederherstellungs- und Kompensationsmaßnahmen adressiert werden. Eine verbesserte Rückverfolgbarkeit und Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette unterstützen Unternehmen, ihre Auswirkungen auf Biodiversität zu reduzieren und Abhängigkeiten transparent zu machen. Der Bericht gibt außerdem eine Orientierungshilfe bei der Verwendung methodischer Ansätze zur Erfassung der unternehmerischen Auswirkungen und Abhängigkeiten in Bezug auf Biodiversität und Ökosystemleistungen.

Die Handlungsoptionen für die Politik umfassen unter anderem die Schaffung eines regulatorischen Rahmens und die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen in geschätzter Höhe von rund 2,4 Billionen US-Dollar. Zusammen mit Finanzakteuren können einheitliche Rahmenwerke für die Risikobewertung und standardisierte Berichterstattung entwickelt und Offenlegungspflichten festgesetzt werden. Die Zivilgesellschaft hat die Möglichkeit, Veränderungen sozialer Normen und des Verbraucherverhaltens durch Bildung und Aufklärung zu fördern.

Der Bericht ist das Ergebnis von fast drei Jahren Arbeit von 80 weltweit führenden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Privatwirtschaft, darunter auch aus Deutschland, sowie von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften, insgesamt aus 35 Ländern. 

Hintergrund zu IPBES

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für das Thema biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen. Er wurde 2012 gegründet. Aktuell sind 152 Staaten (inklusive Deutschland) Mitglied von IPBES. Die jährliche Sitzung der IPBES-Vollversammlung fand in diesem Jahr zum zwölften Mal, vom dritten bis achten Februar 2026 in Manchester, Vereinigtes Königreich statt. Deutschland ist einer der größten Finanzgeber und Sitzstaat des Weltbiodiversitätsrates. Das Sekretariat befindet sich, neben weiteren 25 Einrichtungen der Vereinten Nationen, in Bonn. Das Bundesumweltministerium (BMUKN) und das Bundesforschungsministerium (BMFTR) haben 2014 gemeinsam die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle eingerichtet, um unter anderem die Mitwirkung deutscher Expertinnen und Experten an den IPBES-Berichten zu unterstützen.

09.02.2026 | Pressemitteilung Nr. 011/26 | Artenschutz
Gemeinsame Pressemitteilung des BMUKN und des Bundesminsterium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
https://www.bundesumweltministerium.de/PM11636
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