Bundesumweltminister Carsten Schneider hat heute ein neues Förderprogramm vorgestellt, das in den nächsten Jahren die Wiedervernässung von 90.000 Hektar Land ermöglichen soll. Das Besondere daran ist nicht nur die Größenordnung, sondern auch der Ansatz: Auf diesem Land soll weiter Land- und Forstwirtschaft betrieben werden, nur eben anders als bisher. Für die Umstellung stellt die Bundesregierung bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Das Programm beruht auf Freiwilligkeit. Es wird mit erheblichem Interesse aus Land- und Forstwirtschaft gerechnet, denn trockengelegte Moorböden lassen sich auf Dauer nicht gut bewirtschaften. Die EU-Kommission hat das Förderprogramm in dieser Woche genehmigt.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Über Jahrhunderte hinweg wurden Moore in Deutschland entwässert. Die Folgen erleben wir heute: Grundwasserspiegel sinken ab, Wälder vertrocknen, Treibhausgase entweichen und heizen den Planeten auf. Dieses Förderprogramm leitet jetzt eine echte Trendwende ein. Mit diesem Angebot können wir den Moor-Regionen in Deutschland und vor allem den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben eine echte Zukunftsperspektive geben. Denn mit der "nassen Landwirtschaft" können wir das Wasser in der Fläche halten, ohne die wirtschaftliche Nutzung aufgeben zu müssen. Das hat Vorteile, die uns allen helfen: Starkregen können gepuffert und gespeichert werden für Dürrephasen. Die Grundwasservorräte füllen sich auf. Damit ist wieder bis weit ins Umland hinein genug Wasser vorhanden. Und die Moorstandorte können wieder die natürliche Klima-Anlage werden, die sie jahrtausendelang waren."
Das neue Förderprogramm fördert Planung und Durchführung der Wiedervernässung, kompensiert Wertverluste bei Grundeigentum und Nutzung. Außerdem unterstützt es den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten und Produkte aus Pflanzen, die im Moor wachsen: von Fasern für Papiere und Kartonagen über Dämmmaterialen bis zu Baumaterialien und vieles mehr. Fachleute sprechen von "Paludi-Kultur", benannt nach dem lateinischen Wort "palus" für Sumpf. Diese Form der Landnutzung soll jetzt auf weiten Teilen der entwässerten Moorböden in Deutschland möglich werden. Mit dieser Art der Förderung leistet die Bundesregierung Pionierarbeit in Deutschland und der EU.
Mehr als 90 Prozent der ursprünglichen Moorböden sind heute trockengelegt. Intakt und nass sind nur noch rund 100.000 Hektar. Weil sich die entwässerten Moorböden zersetzen und fortlaufend Kohlenstoff verlieren, sind sie immer weniger für Landwirtschaft nutzbar und verlieren langfristig ihren Wert. Durch die Wiedervernässung wird dieser Zersetzungsprozess gestoppt und umgekehrt. Die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe erhalten wieder eine langfristige Perspektive. Und die Flächen werden von Treibhausgasquellen – zuletzt über 50 Millionen Tonnen Emissionen – wieder zu Treibhausgassenken.
Mit dem neuen Förderangebot werden nun erstmals alle notwendigen Schritte bei der Wiedervernässung und der Etablierung von nassen Bewirtschaftungsformen in insgesamt vier Fördermodulen abgebildet. Der modulare Ansatz ermöglicht eine schrittweise Antragsvorbereitung und Antragstellung und dann Umsetzung von Vorhaben ab fünf Hektar Fläche unter Berücksichtigung der regionalen und individuellen Besonderheiten. Dies umfasst unter anderem die erforderlichen Beratungsleistungen sowie die Schaffung von rechtlichen und technischen Voraussetzungen für das Wassermanagement. Erstmalig werden neben den Ertragsverlusten bei den Flächenbewirtschaftern auch die Flächeneigentümer für die Wertverluste als Folge der Wiedervernässung kompensiert. Das neue Förderprogramm bietet darüber hinaus auch umfassende Unterstützungsmaßnahmen für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung von Moorbodenflächen nach einer erfolgreichen Wiedervernässung. Förderinteressierte können in der Regel jedes Modul einzeln beantragen und erhalten bis zu 100 Prozent Zuschuss für die Wiedervernässung von Moorböden und die Umsetzung wirtschaftlich tragfähiger, klimafreundlicher Nutzungsformen.
Starten wird das Förderprogramm mit einigen großflächigen modellhaften Vorhaben ab mindestens 5.000 Hektar Moorbodenfläche, mit denen in verschiedenen Moorregionen die Neuausrichtung hin zu klimaverträglichen Bewirtschaftungsweisen unterstützt wird. Diese Leuchtturmregionen verfolgen ein umfassendes Gesamtkonzept, das alle Phasen von der Planung über die Umsetzung der Wiedervernässung bis hin zur nachhaltigen Paludikultur und regionalen Wertschöpfung umfasst. So soll der wirtschaftliche Wandel in diesen Regionen unterstützt und umfassende Zukunftsperspektiven geschaffen werden.
Die Förderangebote richten sich an alle, die für eine dauerhafte Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden zusammenwirken müssen (insbesondere Eigentümer, Bewirtschafter, Wasser- und Bodenverbände). Erstmals werden mit dem Förderprogramm Flächeneigentümer, Wasser- und Bodenverbände sowie Flächenbewirtschafter gleichzeitig angesprochen.
Für die Förderung großflächiger Modellvorhaben (Leuchtturmregionen) wird durch die Landwirtschaftliche Rentenbank in Kürze ein Förderaufruf gestartet. Gleichzeitig werden die Moormanager und Regionalagenturen für den Natürlichen Klimaschutz in den Ländern geschult, um als Ansprechpartner und Lotse für Förderinteressenten zur Verfügung zu stehen. Für die weiteren Module des Förderprogramms führt die Landwirtschaftliche Rentenbank in den nächsten Monaten spezielle Informationsveranstaltungen durch.