Deutschland legt Fahrplan für schrittweise Abkehr von fossilen Energien vor

23.09.2026
Sonnenkollektoren und Windkraftanlagen im Hintergund in Deutschland
Bundesumweltminister Carsten Schneider hat Deutschlands Fahrplan für die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen bei den Vereinten Nationen in New York vorgelegt. Diese "Roadmap" wurde zuvor im Bundeskabinett vorgestellt.

Bundesumweltminister Carsten Schneider präsentiert Dokument bei UN-Generalversammlung in New York

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat Deutschlands Fahrplan für die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen bei den Vereinten Nationen in New York vorgelegt. Zuvor hatte das Bundesumweltministerium die sogenannte "Roadmap" im Bundeskabinett vorgestellt. Deutschland ist damit nach Frankreich und den Niederlanden das dritte Land, das einen solchen Plan vorlegt. Bei der Weltklimakonferenz 2023 in Dubai hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen zu beschleunigen. Deutschland will mit seinem Fahrplan weitere Dynamik für diesen Prozess erzeugen, damit so viele Länder wie möglich ihre jeweiligen Pläne konkretisieren. Die Abkehr von fossilen Energien ist entscheidend für den Erfolg beim Klimaschutz: 75 Prozent der weltweiten Emissionen beruhen auf dem Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Die aktuelle Weltlage bringt neue Dynamik in die internationale Klimaschutzpolitik. Nicht nur die weltweiten Wetterextreme zeigen, wie dringend mehr Klimaschutz ist. Immer mehr Ländern wird bewusst, wie teuer und wie gefährlich die Abhängigkeiten von fossilen Energien sind. Wenn die Lage an der Straße von Hormus darüber entscheidet, ob Menschen sich den täglichen Weg zur Arbeit noch leisten können, ist das kein guter Zustand. Wir müssen die Abhängigkeit von fossilen Energien überwinden und wir können sie überwinden. Mit diesem Fahrplan legen wir nicht nur eine Klimastrategie vor, sondern auch eine wirtschaftspolitische Strategie. Das Geld, das wir bisher für den Import von Öl und Gas ausgeben müssen, fließt künftig verstärkt in lokale Wertschöpfung. Die Abkehr von fossilen Energien verbindet Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz miteinander. Unser Fahrplan soll international ein Zeichen setzen. Ich bin sicher, dass viele weitere Länder folgen werden."

Im Jahr 2024 lag der Anteil fossiler Brennstoffe noch bei 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs: Mineralöle (36 Prozent), Erdgas (24 Prozent) und Kohle (fünf Prozent). 98 Prozent des Mineralöls und 95 Prozent des Erdgases wurden importiert, dazu die komplette Steinkohle. Die Gesamtkosten für diese Importe lagen 2024 bei 76 Milliarden Euro. Diese Kosten sind seit der Krise rund um den Iran massiv gestiegen.

Deutschlands Fahrplan setzt zum einen auf die wachsende Nutzung erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung und zum anderen auf die Elektrifizierung von Mobilität, Wärmeerzeugung und industriellen Prozessen. Elektrische Technologien wie Elektroautos und Wärmepumpen sind um ein Vielfaches effizienter als fossile und werden noch dazu immer besser. Jede neue Wärmepumpe und jedes neue Elektroauto spart Deutschland den Import von Öl und Gas und senkt die Emissionen von Treibhausgasen. Im Jahr 2045 wird Deutschland dann klimaneutral sein und effizient und kostengünstig wirtschaften können – ohne von fossilen Energien abhängig zu sein.

Stromerzeugung: Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wächst rasant, deckt in Deutschland bereits circa 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs und soll bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen. Flankiert wird dies durch den Kohleausstieg bis spätestens 2038 und den Ausbau der Stromnetze. Ergänzende regelbare Gaskraftwerke sollen auf grünen Wasserstoff umgestellt werden können, so dass 2045 ein klimaneutraler Kraftwerkspark ohne fossile Energien steht. Abgesichert wird diese Entwicklung durch den EU-Emissionshandel, der Zertifikate für fossile Kraftwerke Jahr für Jahr verknappt.

Mobilität: Der Hochlauf der Elektromobilität nimmt rasant Fahrt auf – im August 2026 waren bereits rund ein Drittel der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland vollelektrisch. Die sozial gestaffelte Förderung sorgt für Anschub in Einkommensgruppen, für die Elektromobilität zuvor keine Option war. Parallel dazu treibt die Bundesregierung den Ausbau von Ladesäulen weiter voran.

Wärmeerzeugung: Wärmepumpen und Fernwärme ersetzen Heizsysteme auf Basis von Öl und Gas – so wurden 2025 in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. Flankiert wird diese technologische Entwicklung durch eine sozial gestaffelte Förderung sowie ordnungspolitische Leitplanken.

Industrie: Für die Industrie verfolgt die Bundesregierung eine Elektrifizierungs- und Modernisierungsstrategie. Investitionen in die Dekarbonisierung werden mit Förderprogrammen unterstützt. Flankiert wird dies durch die Preissignale des EU-Emissionshandels sowie den Schutz durch den CO₂-Grenzausgleich CBAM.

Deutschland arbeitet auch mit anderen Ländern zusammen an der Abkehr von fossilen Energien. Ein Beispiel ist die Energiewende-Partnerschaft mit Südafrika, das am Kohleausstieg und dem Ausbau von Stromnetzen und erneuerbaren Energien arbeitet.

Seit der Weltklimakonferenz in Brasilien (COP30) im vergangenen Jahr steht das Thema Abkehr von fossilen Energien hoch auf der internationalen Agenda. So wird die brasilianische COP30-Präsidentschaft im Oktober einen internationalen Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien veröffentlichen. Im April berieten zudem 57 Vorreiter-Länder, so auch Deutschland, in Santa Marta bei der ersten internationalen Konferenz zur Abkehr von fossilen Energien, wie der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gelingen kann. Im Anschluss wurden mehrere Arbeitsprozesse aufgesetzt, um die internationale Kooperation zu wesentlichen Fragen des Ausstiegs zu verstärken. Gleichzeitig streben die türkische und australische COP31 Präsidentschaft an, die globale Elektrifizierung weiter zu beschleunigen.

Den Fahrplan finden Sie unter "Weitere Informationen".

23.09.2026 | Pressemitteilung Nr. 121/26 | Klimaschutz

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