– Es gilt das gesprochene Wort! –
Sehr geehrt Frau Professorin Busse,
sehr geehrte Frau Professorin Reicher,
sehr geehrte Frau Parlamentarische Staatssekretärin Hagedorn,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Jung,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie sehr herzlich im Bundesumweltministerium zur Verleihung des Bundespreises Umwelt und Bauen. Es ist genau genommen die Preisverleihung 2025. Aber wie Sie wissen, kam die vorgezogene Bundestagswahl dazwischen. Sie sehen mich heute sehr glücklich darüber, dass wir den Bundespreis im BMUKN halten konnten. Als Umweltressort liegt uns das Thema "Nachhaltiges Bauen" sehr am Herzen. Es macht für die Umwelt einen großen Unterschied, wie heute und in Zukunft gebaut wird. Modernes Bauen muss die Umwelt- und Nachhaltigkeitsperspektive immer zentral mitdenken.
Vor wenigen Wochen hat der Sachverständigenrates für Umweltfragen dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, die ich mit meiner Kollegin, Bauministerin Verena Hubertz entgegennehmen durfte. Die Studie heißt: "Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen" – und zeigt damit die Richtung an, in die wir verstärkt gehen müssen.
In Deutschland stammen rund ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen aus dem Gebäudebereich. Je nach Berechnung sogar mehr. Rund die Hälfte unseres gesamten Abfalls sind Bau- und Abbruchmaterialien. Der Bausektor nimmt enorme Mengen an Ressourcen in Anspruch. Das lässt sich mit mehr Kreislaufwirtschaft ändern. Ein Gebäude von heute sollte nicht der Abfall von morgen sein, sondern eher eine Art Rohstofflager.
Dabei kann das Bauen im Bestand eine zentrale Rolle spielen. In den meisten Fällen ist Bestandserhalt eine bessere Entscheidung als Abriss und Neubau. Außerdem können wiederverwendete Baustoffe auf unseren Baustellen zum neuen Standard werden. Das macht uns auch unabhängiger von globalen Lieferketten und von Preisschwankungen bei Baumaterialien. Nachhaltiges Bauen sollten wir also vor allem als nachhaltiges Umbauen verstehen. Deshalb setzt die Nationale Kreislaufwirtschafts-Strategie der Bundesregierung die Prioritäten klar auf Weiternutzung und den Um- und Ausbau von Gebäuden und Bauwerken.
Diese Philosophie spiegelt sich im aktuellen Bundespreis UMWELT & BAUEN wider. Der Preis wurde zum dritten Mal gemeinsam von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt ausgelobt. Mit der Auslobung wurden diesmal explizit nachhaltige Lösungen im Bestand gesucht. Es wurden herausragende Projekte gefunden, die zeigen, wie nachhaltiges Bauen unter realen Bedingungen funktionieren kann. Dabei interessierten uns vor allem smarte und praktische Lösungen, also Bauwerke, die ökologisch, wirtschaftlich, sozial und gestalterisch überzeugen. Die zeigen, was es bedeutet:
- im Bestand zu bauen und gleichzeitig an Klimaanpassung zu denken,
- mit bio-basierten Alternativen zu Stahl und Beton,
- mit dem Einbau gebrauchter Bauteile
- und die die Fragen beantworten: Sieht das am Ende auch gut aus? Und was kostet das Ganze?
Alle prämierten Projekte haben darauf herausragende Antworten gefunden. Wir wollen ihnen mit der Preisverleihung eine Bühne und öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen.
Lassen Sie mich aber zunächst den Mitgliedern der Auswahljury danken: Sie haben die eingereichten Vorschläge mit großem Fachverstand geprüft und – wie ich gehört habe – auch kontrovers miteinander diskutiert. Das Ergebnis spricht für sich. Ganz herzlichen Dank dafür!
Wir hätten für diese Preisverleihung kaum eine bessere Location finden können. Dieses Gebäude hier wurde zwischen 1913 und 1916 errichtet. Es war zunächst Sitz des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Später wurde es Teil der NS-Verwaltung. Nach 1945 lag es im Ostteil Berlins und stand mit dem Mauerbau 1961 auf dem Todesstreifen direkt an der Grenze. Die Berliner Mauer befand sich auf der anderen Seite der Stresemannstraße und die Hinterlandmauer grenzte seitlich an das Gebäude. Die Fenster zur Straße waren vergittert und teilweise zugemauert. Seit dem Mauerfall steht das Gebäude im Herzen der Hauptstadt und ist seit 2011 der Berliner Sitz des Bundesumweltministeriums. Das Haus versteckt seine wechselhafte Geschichte mit Absicht nicht. Teile der Hinterlandmauer stehen noch heute an ihrem originalen Standort und sind in die Architektur integriert. Ich möchte Sie einladen, sich dieses Stück Geschichte selbst anzuschauen.
Der Umbau zum Ministerium war eine bewusste Entscheidung gegen den Abriss und für den Bestand. Der denkmalgeschützte Altbau wurde sorgfältig saniert und mit einem Niedrigenergie-Neubau verbunden – nicht als Bruch, sondern als Weiterentwicklung. Derzeit entsteht ein Erweiterungsbau, der ebenfalls diesem Ansatz folgt: mit Lowtech-Prinzipien, einer einfachen, robusten Konstruktion, mit hoher Materialeffizienz und zirkulärem Bauen. Und mit einem energetischen Konzept auf Passivhaus-Niveau.
Das alles sind Kriterien, die auch bei unserem Bundespreis im Fokus stehen. Sie sehen, wir meinen es ernst mit dem nachhaltigen Bauen und wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst. Aber Leuchtturmprojekte alleine reichen nicht aus. Der Baubereich muss als Ganzes nachhaltig werden, überall in Deutschland.
Das bringt mich zu den Prämierten des Bundespreises Umwelt und Bauen – und damit zu den Stars der heutigen Veranstaltung: Ihre Projekte zeigen, worauf es bei der Bauwende ankommt: auf das Weiterbauen im Bestand und auf Lösungen, die unterschiedliche Aspekte zusammenführen: Klimaschutz, Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Baukultur. Im Gebäude und im Quartier. Sie alle haben bewiesen, dass gute Architektur und sozial-ökologische Prinzipien keine Gegensätze sind. Sie zeigen, dass nachhaltiges Bauen ein Gewinn an Qualität ist und kein Verzicht. Ihre Projekte sind durchdacht und praxistauglich. Sie verbinden Kreislauffähigkeit, Biodiversität und soziale Nutzbarkeit.
Wir ehren Sie heute als Vorbilder und verbinden damit die Hoffnung, dass sich viele andere zum nachhaltigen Bauen inspirieren und anstiften lassen. Sie haben auch ein besonders hartnäckiges Vorurteil entkräftet, nämlich dass nachhaltiges Bauen zwangsläufig teurer sei als Konventionelles. Für die prämierten Projekte trifft das nicht zu. Von der Planung über die Nutzung bis zum Rückbau: Nachhaltigkeit rechnet sich.
Das ist die gute Botschaft – die sich mit Ihrer Arbeit verbindet. Dazu gratuliere ich Ihnen und wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit viel Erfolg!
Herzlichen Dank.