Die Nutzung von Stein- und Braunkohle als Energieträger geht weiter zu Gunsten der Wasser-, Wind- und Sonnenenergie zurück. Auch wenn die Abhängigkeit vom Import fossiler Energieträger hoch bleibt, setzt der Transformationsprozess sich fort. Das Statistische Bundesamt hat die jüngsten Zahlen der Energiegesamtrechnungen für 2024 veröffentlicht.
Woher kommt der Strom in der Steckdose, der Treibstoff im Sattelschlepper oder die Hitze im Ofen beim Italiener um die Ecke? Die Statistiker wissen es und zeichnen in den Energiegesamtrechnungen jährlich die Entwicklung des Aufkommens und der Verwendung von Energie gemessen in Terajoule nach. Sie bieten einen vertieften Einblick in Abhängigkeiten sowie Bedarfe der in Deutschland ansässigen Wirtschaft und privaten Haushalte (Inländerkonzept). Berücksichtigt wird die gesamte Verwendung von Energie, auch der Verbrauch der inländischen Wirtschaftseinheiten in der übrigen Welt. Der Verbrauch gebietsfremder Einheiten im Inland wird dagegen nicht einbezogen. Daneben dokumentieren die Rechnungen einen Stand des Umstiegs von fossilen auf erneuerbare Energieträger. Mit anderen Worten: Die Daten belegen, welche natürlichen Ressourcen Wirtschaft und Gesellschaft am Laufen halten und wie diese genutzt werden. Sie ermöglichen damit eine zielgerichtete umweltpolitische und administrative Steuerung von Transformationsprozessen.
Die Gesamtsicht
Die unmittelbare Umweltentnahme, das Aufkommen, heimischer Energieträger verharrte 2024 auf einem Gegenwert von rund 3,4 Millionen Terajoule (Primär)Energie. Bei der Zusammensetzung war ein leichter Rückgang der Stein- und Braunkohle von 27 Prozent auf 24 Prozent zugunsten eines Anstiegs von 61 Prozent auf knapp 64 Prozent bei den erneuerbaren Energieträgern gegenüber dem Vorjahr zu registrieren. Damit setzt sich die Tendenz der Vorjahre fort. Der Beitrag von Erdöl (2 Prozent), Naturgasen (4 Prozent) und übrigen Energieträgern (6 Prozent) verharrte anteilig auf dem Vorjahresniveau. Zur Bedarfsdeckung wurden zusätzlich knapp 9,1 Millionen Terajoule primäre und sekundäre Energieträger im Wesentlichen in Form von Erdöl (40 Prozent) und Naturgasen (32 Prozent) zusätzlich importiert. Aus heimischen und importierten Energieträgern wurden zusammen knapp 7,2 Millionen Terajoule sekundäre Energieträger wie Kohleerzeugnisse, Mineralölprodukte, Gase, Strom und Fernwärme erzeugt (Umwandlungsausstoß) und an den Markt gebracht oder in betriebsinterne Prozesse eingespeist. Das war ein Zuwachs von 0,3 Millionen Terajoule gegenüber dem Vorjahr. So weit zum Aufkommen von Energie in Deutschland.
Aus der Verwendungsperspektive ist der Primärenergieverbrauch eine Schlüsselgröße, denn er kann verstanden werden als jener, der auf die Inanspruchnahme heimischer und globaler natürlicher Ressourcen zurückzuführen ist Der Primärenergieverbrauch lag 2024 wie 2023 bei 10,7 Millionen Terajoule. Er ist die Summe des Endenergieverbrauchs einschließlich der industriellen Eigenverbräuche und der Umwandlungsverluste bei der Erzeugung von Sekundärenergieträgern. Er speist sich in seiner Gesamtheit (nationale Gewinnung zuzüglich Einfuhr) weiterhin ganz maßgeblich aus dem Import fossiler Energieträger wie Erdöl und Naturgasen.
Aufschlüsselung der Erneuerbaren
Auch zu den Anteilen der erneuerbaren und übrigen Energieträger an der inländischen Primärenergieentnahme geben die Zahlen wieder Auskunft. Der Anteil der Windenergie hat sich bei gut 500.000 Terajoule stabilisiert. Wasserbasierte Energieformen konnten sich, wenngleich auf niedrigem Niveau, um 13 Prozent auf nunmehr knapp 81.000 Terajoule steigern. Noch ausgeprägter galt das für das Wachstum solarbasierter Energieformen, deren Aufkommen um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 305.000 Terajoule weiter anwuchs. Biomassebasierte Energieformen konnten die zuletzt rückläufige Entwicklung wieder umkehren und sich mit deutlich mehr als einer Million Terajoule behaupten.
Die Nutzung
Wechselt der Blick auf die Nutzerinnen und Nutzer, kristallisieren sich die privaten Haushalte (33 Prozent), wo die Energie vornehmlich in die Mobilität und die Wärmeversorgung fließt, und das Verarbeitende Gewerbe (32 Prozent) als Hauptverbraucher der Primärenergie nach dem Inländerkonzept heraus. Dahinter folgen die Energieversorger (10 Prozent) und das Verkehr- und Logistikgewerbe (9 Prozent).
Methodik
Methodische Grundlage der Energiegesamtrechnung ist das System of Environmental-Economic Accounting – Central Framework (SEEA-CF) der Vereinten Nationen, das heißt das internationale methodische Rahmenwerk für Umweltökonomische Gesamtrechnungen. Die zugrunde liegenden Definitionen und Konzepte werden einheitlich auch in den anderen Gesamtrechensystemen (Luftemissionsrechnung, Umweltschutzausgaben und so weiter) und in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen verwendet. Für die Berechnung der Energieflüsse gegliedert nach Wirtschaftszweigen und privaten Haushalten bilden die Daten der Energiebilanzen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) die wichtigste Grundlage. Für die tiefere Gliederung werden vom Statistischen Bundesamt insgesamt 67 Wirtschaftszweige und die privaten Haushalte unterschieden, sodass neben der Energiebilanz weitere Datenquellen herangezogen werden müssen um die Daten aufzuschlüsseln.