Kann mit kleinen Atomreaktoren günstig und sauber Strom erzeugt werden?

26.02.2026
Dieses Foto zeigt die Montagehalle des Kernmoduls des weltweit ersten kommerziellen kleinen modularen Reaktors Linglong One.
Erneuerbare Energiequellen sind kostengünstig, effizient, sicher und gut für unser Klima. Doch immer wieder wird behauptet: Mit kleinen Atomreaktoren (SMR) lässt sich günstig und sauber Strom erzeugen – völlig klimaneutral.

Warum Small Modular Reactors nicht besser sind

Erneuerbare Energiequellen sind kostengünstig, effizient, sicher und gut für unser Klima. Doch immer wieder wird behauptet: Mit kleinen Atomreaktoren lässt sich günstig und sauber Strom erzeugen – völlig klimaneutral. Aber: die sogenannten Small Nuclear Reactors (SMR) sind und bleiben Atomkraftwerke! Sie mögen kleiner sein, doch die Probleme bleiben.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Diese kleinen Atomkraftwerke sind ein großer Mythos. Sie lösen das Müllproblem nicht, sind saugefährlich und müssen teuer subventioniert werden. Ich setze für unseren Energiebedarf lieber auf sichere Lösungen: erneuerbare Energien!"

Faktencheck: Kleine Atomkraftwerke vs. Erneuerbare Energien

SMR halten uns weiter abhängig und machen uns angreifbar. Auch Uran ist eine endliche Ressource, die wir teuer importieren müssen. Erneuerbare Energien liefern heute schon günstigen, effizienten und klimafreundlichen Strom. Für eine echte, nachhaltige Energiewende bauen wir auf sie. Neue Atomversprechen sind keine Lösung.

Sind kleine Atomkraftwerke (SMR) sauber?

Nein, denn auch sie produzieren hochradioaktiven Müll, der entsorgt werden muss. Ein Endlager dafür muss erst gefunden und gebaut werden. Bei der Kernspaltung wird zwar direkt kein CO2 emittiert, doch durch Uranabbau, Anreicherung, Bau und Rückbau der Kraftwerke entstehen durchaus Emissionen.

Sind kleine Atomkraftwerke (SMR) günstig?

Nein, denn die Baukosten der Anlagen sind relativ betrachtet sogar höher, als bei konventionellen Atomkraftwerken. Für einen Reaktorhersteller würde sich der Einstieg in die SMR-Produktion erst wirtschaftlich lohnen, wenn er mehr als 3.000 Stück produzieren würde. Ohne staatliche Subventionen in Milliardenhöhe wären sie nicht finanzierbar.

Sind kleine Atomkraftwerke (SMR) sicher?

Nein, denn auch SMR sind Atomkraftwerke mit allen dazugehörigen Risiken. Die technischen Anforderungen für die nukleare Sicherheit bleiben unverändert hoch.

Zentrale Kernaussagen fachlich eingeordnet

Die Leistung ist kleiner, nicht die Verantwortung

Auch SMR sind Atomkraftwerke. Die technischen, regulatorischen Anforderungen für die nukleare Sicherheit bleiben unverändert hoch. Reduziert ist lediglich die elektrische Leistung pro Einheit. An den grundlegenden Risiken und Genehmigungsanforderungen ändert die kleinere Baugröße grundsätzlich nichts.

SMR sind nicht die günstige Alternative zu großen AKW

Die Baukosten von SMR in absoluten Zahlen erscheinen aufgrund der geringeren Größe vordergründig geringer als bei großen AKW. Skaliert man auf die Leistung, sieht man aber, dass SMR im Augenblick keinen Kostenvorteil gegenüber großen AKW bieten, wahrscheinlich sind die Kosten pro MW Leistung sogar höher. Nicht ohne Grund wurden die AKW bislang tendenziell immer größer mit immer mehr Leistung.

EU-Förderung von SMR verdrängt Förderung anderer Klimaneutralitätstechnologien

Die Fazilität in Höhe von 200 Millionen Euro soll laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus ETS-Erlösen finanziert werden. Auf EU-Ebene kommen dafür primär Mittel aus dem Innovationsfonds in Frage. In diesem ist die Finanzierung von innovativen Atomenergie-Technologien inhaltlich nicht ausgeschlossen. Eine Umwidmung von 200 Mio. Euro aus dem Innovationsfonds für SMR würde aber dringend benötigte Mittel für andere klimaneutrale Technologien, insbesondere in der Industriedekarbonisierung, umlenken.

Modularität ist bislang ein Versprechen, keine Marktrealität

Ein zentrales Argument für SMR ist ihre angebliche Modularität, also die industrielle Vorfertigung standardisierter Komponenten mit anschließender Serienmontage. Die erhofften Kostenvorteile von SMR beruhen auf genau diesem Prinzip: Massenproduktion und hohe Stückzahlen. Dafür müsste sich jedoch die Produktion auf wenige, standardisierte Reaktortypen konzentrieren. Ohne eine breite, verlässliche Nachfrage entstehen jedoch weder Skaleneffekte noch sinkende Stückkosten. Ein belastbarer Markt, der diese Serienproduktion tragen würde, ist derzeit nicht erkennbar.

Wo der Markt fehlt, muss der Staat das Risiko tragen

Private Investoren zeigen bislang nur begrenztes Interesse, das erhebliche Kostenrisiko eigenständig zu übernehmen. Deshalb sind SMR-Vorhaben häufig auf finanzielle Unterstützung durch die staatliche Hand angewiesen, etwa staatliche Darlehen oder langfristig abgesicherte Stromabnahmeverträge. Ein wirtschaftlich selbsttragendes Geschäftsmodell ohne staatliche Risikoübernahme ist bisher nicht belegt.

Rechenzentren brauchen Strom heute und nicht in zehn Jahren

Auch der steigende Energiebedarf von Rechenzentren schafft kurzfristig keinen neuen Business Case für SMR. Während der Strombedarf unmittelbar wächst, benötigen SMR-Projekte lange Entwicklungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten. Für die kurzfristige Versorgung digitaler Infrastruktur stehen sie daher nicht zur Verfügung.

26.02.2026 | Meldung Nukleare Sicherheit
Aktualisierungsdatum: 22.05.2026
https://www.bundesumweltministerium.de/ME11655

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