Fischsterben in der Oder: Wissenschaftler empfehlen mehr Renaturierung und weniger Salzgehalt

15.06.2026
Landschaftsaufnahme Unteres Odertal
Oder-Bericht zeigt: Nach der Umweltkatastrophe von 2022 erholt sich der Fluss nur langsam. Ein Sonderprogramm liefert nun wichtige Erkenntnisse zu den Folgen, den Ursachen und den notwendigen Maßnahmen für mehr Renaturierung.

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat heute in Schwedt/Oder die Ergebnisse des "Sonderuntersuchungsprogramms zur Umweltkatastrophe in der Oder" entgegengenommen. Das Bundesumweltministerium hatte das Programm nach dem massenhaften Fischsterben vom Sommer 2022 ins Leben gerufen. Die Ergebnisse des Vorhabens zeigen, wie Klimawandel und menschliche Eingriffe die Oder belasten, und welche Maßnahmen jetzt notwendig sind. Dazu untersuchte ein Forschungsteam unter Federführung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei die Ursachen der toxischen Algenblüte, die damals zu der Umweltkatastrophe führten, die ökologischen Folgen sowie die Regeneration des Fluss-Auen-Ökosystems in Deutschland. Gefördert wurde das Vorhaben durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Die Umweltkatastrophe in der Oder im Sommer 2022 hat gezeigt, wie verwundbar unsere Gewässer und Auen sind. Die Oder ist nun auf dem Weg, sich zu erholen. Wir sollten alles daransetzen, dass sich ein solches Ereignis hier und in anderen Flüssen nicht wiederholt. Das ist wichtig für den Fluss und die Menschen, die an der Oder leben. Das bedeutet: mehr Schutz und mehr Renaturierung von Flüssen und Auen. Denn wenn wir der Natur mehr Raum geben und Rückzugsräume für die Lebewesen im und am Fluss schaffen, wird sie insgesamt widerstandsfähiger. Das ist gerade angesichts des Klimawandels mit zunehmenden Hitzesommern und langen Trockenphasen wichtig."

BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm: "Das Sonderuntersuchungsprogramm Oder war eines der größten Forschungsprogramme des BfN in der jüngeren Vergangenheit. Die Ergebnisse geben wichtige Aufschlüsse über das Ausmaß der Schädigung des Ökosystems, aber auch die Erholung der Oder und der in ihr lebenden Organismen. Aber die Ergebnisse zeigen auch: Es muss noch viel getan werden an der Oder wie zum Beispiel eine weitere Verringerung des Salzgehaltsund eine bessere Anbindung der Auen und Nebengewässer an den Fluss. Das stärkt auch die Resilienz der Fischbestände gegenüber zukünftigen Störungen."

Der heute veröffentlichte Abschlussbericht des Sonderuntersuchungsprogramm Oder dokumentiert die ökologischen Folgen der Umweltkatastrophe und den bisherigen Erholungsprozess der Oder. Der Bericht wurde unter Federführung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) erstellt. Die Untersuchungen zeigen unter anderem, dass sich Fisch- und Muschelbestände in der Oder zwar langsam erholen, die vollständige Regeneration jedoch noch mehrere Jahre dauern wird.

Im Zentrum der Empfehlungen des Forschungsteams steht die deutliche Verringerung des Salzgehalts der Oder. Der erhöhte Salzgehalt hatte die Ausbreitung der toxischen Alge entscheidend begünstigt. Maßnahmen zur Reduzierung der Einleitungen werden in Polen geprüft, die deutsche und polnische Seite stehen in einem regelmäßigen fachlichen Austausch. Darüber hinaus empfehlen die Forschenden umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen. Dazu gehören die Wiederherstellung naturnaher Gewässer- und Auenstrukturen sowie die Förderung einer hohen Habitatvielfalt entlang des Flusses. Solche Maßnahmen, bei denen zum Beispiel Uferbereiche als Rückzugsort renaturiert werden oder Neben- und Auengewässer angeschlossen werden, stärken die Widerstandskraft des Ökosystems und insbesondere die Resilienz der Fischbestände gegenüber klimabedingten und menschengemachten Belastungen.

In dem Sonderuntersuchungsprogramm wurde außerdem ein satellitenbasiertes Algenmonitoring entwickelt, um toxische Algenentwicklungen in Kombination mit Vor-Ort-Messungen besser vorauszusagen. Dies dient der Risikoabschätzung und der Frühwarnung. Auch Polen überwacht die Oder engmaschig und informiert die deutsche Seite kontinuierlich. Zudem empfehlen die Forschenden Unterstützungsmaßnahmen für die Fischerei, um wirtschaftliche Schäden infolge der Umweltkatastrophe abzufedern.

Die Oder ist Lebensraum zahlreicher Fisch-, Muschel- und weiterer Wasserorganismen und zugleich Wirtschaftsraum, Verkehrsweg sowie bedeutendes Erholungsgebiet. Steigende Temperaturen und niedrige Wasserstände infolge des Klimawandels verschlechtern jedoch zunehmend die Wasserqualität. Diese Bedingungen begünstigten im Sommer 2022 die massenhafte Vermehrung der salzliebenden Brackwasseralge Prymnesium parvum. Die sogenannte Goldalge produzierte toxische Stoffe, die zu einem großflächigen Sterben von Fischen, Muscheln und weiteren Wasserorganismen führten. Allein der Verlust bei den Fischbeständen wird auf mindestens 1.000 Tonnen geschätzt. Die Folgen für das Ökosystem und die Fischerei an der Oder waren gravierend. Besonders betroffen waren auch seltene und geschützte Arten wie der Atlantische Stör und der Baltische Goldsteinbeißer, die in Deutschland nur noch in der Oder vorkommen.

15.06.2026 | Pressemitteilung Nr. 071/26 | Naturschutz
Gemeinsame Pressemitteilung des BMUKN und dem BfN
https://www.bundesumweltministerium.de/PM11800
  • Fotogalerie Videogalerie

    Mediathek

    Das Ministerium in Bildern

  • Fotogalerie Videogalerie Interviews

    Online-Tagebuch

    Aus der täglichen Arbeit des Ministeriums

  • Newsletter

    Newsletter

    Meldungen per E-Mail empfangen

Wege zum Dialog

Gute Politik für Umweltschutz gelingt, wenn sie gemeinsam gestaltet wird. Schreiben Sie uns oder beteiligen Sie sich an unseren Dialogangeboten oder folgen Sie uns in den Sozialen Medien.