Für den Schutz und Erhalt der europäischen Urwälder und die dauerhafte Sicherung von Schutzgebieten in der Ukraine stellt Deutschland zehn Millionen Euro zur Einrichtung eines Naturschutzfonds zur Verfügung. Damit soll sowohl das Management des wertvollen Naturerbes während des Krieges unterstützt als auch perspektivisch weiterentwickelt werden. Dies soll dazu beitragen, den weiteren Erhalt des UNESCO-Weltnaturerbes "Alte Buchenwälder Europas" abzusichern.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Die Ukraine verfügt über einzigartige Naturlandschaften. Schutz und Erhalt der Schutzgebiete lassen sich seit dem russischen Angriffskrieg nur noch schwer realisieren. Insbesondere die Altbestände von Buchenurwäldern haben eine herausragende europäische Bedeutung. Daher haben wir eine besondere gemeinsame, europäische Verantwortung, diese zu bewahren und dauerhaft zu schützen. Durch den Krieg sind Nationalparke sowohl Zufluchtsgebiete als auch wichtige Touristendestinationen geworden, wohin viele Menschen aufgrund fehlender Alternativen ausweichen. Der hohe Nutzungsdruck macht ein langfristiges Schutzkonzept jetzt noch notwendiger. Dafür werden wir mit der Einrichtung eines Naturschutzfonds in Höhe von zehn Millionen Euro eine erste Grundlage schaffen."
Zum Abschluss seiner Reise in die Ukraine konnte sich Bundesumweltminister Schneider beim Besuch des Nationalparks Skolivski Beskydy in den ukrainischen Waldkarpaten vom Zustand und den Herausforderungen der ukrainischen Schutzgebiete der Karpaten ein konkretes Bild machen. Bei Gesprächen mit Mitarbeitenden des Nationalparks und Vertreterinnen und Vertretern zivilgesellschaftlicher Umweltorganisationen ging es im Wesentlichen um die Frage, wie sie aktuell ihre Betriebsfähigkeit aufrechterhalten und irreversible Schäden an den ursprünglichen Wäldern verhindern können. Zudem ging es um konkrete Maßnahmen, um das UNESCO-Weltnaturerbe, auch mit Blick auf die mögliche Infrastrukturentwicklung, abzusichern.
Ulf Zimmermann, Amtsleiter Müritz-Nationalpark: "Wir sind bereits seit Längerem im Austausch mit den Schutzgebieten in der Ukraine und versuchen, in der aktuellen Not zu helfen und beim künftigen Wiederaufbau zu unterstützen. Wir, das Bündnis aller Nationalparke, Biosphärenreservate, Naturparke und Wildnisgebiete in Deutschland, haben uns mit Beginn des Krieges solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine erklärt und stehen an ihrer Seite. Niemand hätte am Anfang mit den ersten Hilfslieferungen damit gerechnet, dass der Krieg so lange dauern und Mensch und Natur derart leiden müssen. Umso wichtiger ist es, jetzt konkrete Zeichen der Unterstützung zu geben, vor Ort zu helfen und über die Zukunft zu reden."
Im Rahmen der Reise sollen weitere Möglichkeiten für die künftige Zusammenarbeit in den Schutzgebieten, die Unterstützung beim Wiederaufbau nach dem Krieg gemeinsam besprochen werden. Um die Resilienz der Schutzgebiete dauerhaft sowohl während des Krieges als auch nach einer möglichen Einstellung der Kriegshandlungen zu sichern, sind verschiedene Maßnahmen notwendig, zum Beispiel im Bereich des Moor- und Klimaschutzes, die Pflege und die Erhaltung des UNESCO- Weltnaturerbes "Alte Buchenwälder und Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas", naturverträgliche Tourismuskonzepte, aber auch der Wiederaufbau der Infrastrukturen und einer modernen Schutzgebietsverwaltung, gemeinsame fachliche Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, die Umsetzung eines vielseitigen Rangerwesens in der Fläche. Hierfür werden zehn Millionen Euro aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums in einen Fonds fließen, der diese Maßnahmen ermöglichen soll.
In der Ukraine liegen beispielsweise 15 Waldgebiete des UNESCO-Weltnaturerbes "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas", dazu gehören auch die einzigen tatsächlichen Urwälder Europas von nennenswerter Ausdehnung. Sie bilden einen unvergleichlichen Naturraum, der aufgrund des beschränkten Ausdehnungsgebiets der Buche weltweit einmalig und daher von ausgesprochenem Wert für Mensch und Natur ist.