Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP)
Das UN-Umweltprogramm (United Nations Environment Programme, UNEP) mit Hauptsitz in Nairobi wurde 1972 auf der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen gegründet. UNEP ist die einzige ausschließlich mit Umwelt befasste Einrichtung der Vereinten Nationen. Gemäß seinem Mandat hat UNEP die führende Rolle im globalen Umweltschutz ("the leading global environmental authority"), koordiniert die Umweltaktivitäten der Vereinten Nationen (UN – United Nations), erstellt umfassende Berichte zum weltweiten Status der Umwelt, entwickelt politische und rechtliche Instrumente für den internationalen Umweltschutz und bietet Beratungsleistungen für interessierte Länder. Die Organisation wird von der Exekutivdirektorin Inger Andersen geleitet. Zu ihren Vorgängern zählten der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer, der ehemalige UNDP-Administrator Achim Steiner und der frühere norwegische Umweltminister Erik Solheim. Durch die Beschlüsse der UN-Nachhaltigkeitskonferenz im Juni 2012 in Rio de Janeiro (United Nations Conference on Sustainable Development, Rio+20) wurde UNEP als Stimme der Umwelt im UN-System maßgeblich aufgewertet.
Die UN-Umweltversammlung
Hauptentscheidungsorgan ist seit einer Entscheidung des UNEP-Verwaltungsrates vom Februar 2013 die UN-Umweltversammlung (United Nations Environment Assembly, UNEA), in der alle UN-Mitgliedstaaten vertreten sind. Die Entscheidungen der UNEA werden durch deren Unterorgan, den Ausschuss der Ständigen Vertreter bei UNEP (Committee of Permanent Representatives) vorbereitet.
Die UN-Umweltversammlung tagt seit Juni 2014 alle zwei Jahre, die siebte Sitzung, UNEA-7, fand vom 08. bis 12. Dezember 2025 in Nairobi zum Thema "Advancing sustainable solutions for a resilient planet" statt. Die UNEA-8 wird vom 6.-10. Dezember 2027 tagen.
Die UN-Umweltversammlung ist das zentrale Governance-Gremium UNEPs, das mit seinen Entscheidungen die Prioritäten für die Arbeit UNEPs festlegt. Gleichzeitig legt sie Prioritäten für die globale Umweltpolitik fest, gibt dem UN-System umweltpolitische Beratung und Empfehlungen zu neuen Herausforderungen für die Umwelt, untersucht existierende Praktiken, regt Austausch von Erfahrungen an, organisiert Dialoge mit Wirtschaft und allen zivilgesellschaftlichen Gruppen und fördert Partnerschaften, die Umweltziele verfolgen und Ressourcen mobilisieren.
Das UNEA-8-Büro wurde für einen Zeitraum von zwei Jahren ab dem Ende der siebten UNEA gewählt und besteht aus zehn Mitgliedern, darunter ein Präsident, acht Vizepräsidenten und ein Berichterstatter, wobei jeweils zwei Mitglieder jede der fünf Regionen der Vereinten Nationen vertreten. Deutschland wurde mit Staatsekretär Jochen Flasbarth als Vizepräsident für die Westeuropäische Regionalgruppe in das UNEA-8 Büro gewählt. Die Präsidentschaft der UNEA-8 übernimmt Jamaika.
Der jährlich viermal zusammenkommende Ausschuss der Ständigen Vertreter (Committee of Permanent Representatives, CPR) ist das ständige Unterorgan der UNEA und setzt sich aus Vertretern der in Nairobi akkreditierten Staaten zusammen, die unter anderem die Arbeit von UNEP zwischen den UNEA-Sitzungen beaufsichtigen, UNEA beraten und programmatische Debatten anstoßen. Der CPR ist durch seine direkte Kommunikation mit UNEP eine wichtige Verbindung zwischen UNEP und den Regierungen. Alle zwei Jahre tagt im Vorfeld der UNEA-Sitzung ein erweiterter CPR mit Hauptstadtvertretern sowie Repräsentanten gesellschaftlicher Gruppen, um die UNEA-Sitzung vorzubereiten.
UNEP besteht im Weiteren aus einem Exekutivbüro, einem Leitungsbereich und den folgenden acht Hauptabteilungen:
- Communications Division
- Climate Change Division
- Ecosystems Division
- Law Division
- Industry and Economy Division
- Early Warning and Assessment Division
- Policy and Programme Division
- Corporate Services Division
Zudem hat UNEP sechs Regionalbüros für Afrika, die Asien-Pazifik-Region, Europa, Lateinamerika und Karibik, Nordamerika sowie Westasien, welche die enge Zusammenarbeit mit den Regionen gewährleisten.
Multilaterale Umweltabkommen
UNEP hat seit jeher für die Entwicklung multilateraler Umweltabkommen (Multilateral Environmental Agreements, MEAs) eine entscheidende Rolle gespielt. Die Sekretariate für die folgenden 12 globalen Umweltabkommen sind derzeit bei UNEP angesiedelt:
Seit 2013 werden die Vertragsstaatenkonferenzen der drei Übereinkommen von Basel, Stockholm und Rotterdam gemeinsam durchgeführt.
Strategien von UNEP
Grundlage der UNEP-Aktivitäten bildet die jeweils für einen Zeitraum von vier Jahren geltende mittelfristige Strategie (Medium-Term Strategy), in der Prioritäten und Ziele mit Indikatoren und erwartete Ergebnisse allgemein zusammengefasst werden. Aus dieser Strategie leitet sich der detailliertere, zweijährige Strategische Rahmen ab, in dem die Prioritäten für die sieben Arbeitsbereiche (Klimawandel, Katastrophen und Konflikte, Ökosystemmanagement, Umweltgovernance, Chemikalien und Abfall, Ressourceneffizienz und Beobachtung und Bewertung der Umwelt) sowie eine Strategie unter Einbeziehung externer Faktoren festgelegt werden. Die zweijährigen Arbeitsprogramme (Programme of Work) basieren auf dem Strategischen Rahmen und legen den erwarteten und beabsichtigten Output fest, der anhand von Indikatoren gemessen wird. Ferner werden den jeweiligen Arbeitsbereichen ein bestimmtes Budget und die personelle Ausstattung zugewiesen. Die mittelfristige Strategie für den Zeitraum 2026 bis 2029 sowie das Arbeitsprogramm für die Jahre 2026 und 2027 wurde bei der UNEA7 angenommen.
Finanzierung
Der UNEP-Haushalt setzt sich aus drei Elementen zusammen: dem Umweltfonds (Environment Fund), zweckgebundenen Zuwendungen (Treuhänderfonds) und den Finanzmitteln, die UNEP aus dem regulären UN-Budget erhält. Entsprechend dem zweijährigen Arbeitsprogramm wird auch der UNEP-Haushalt für jeweils zwei Jahre festgelegt. Das zweijährige Gesamtbudget von UNEP für den Zeitraum 2024-2025 lag bei 872 Millionen US Dollar.
Das Kernbudget UNEPs stellt dabei der Environment Fund dar, der aus freiwilligen Beiträgen der Mitgliedstaaten gespeist wird. Im Jahr 2025 betrug das Kernbudget 100 Millionen US Dollar. Deutschland gehört seit Jahren zu den größten Beitragszahlern zum Environment Fund und hat sich im Jahr 2025 mit rund 10 Millionen US Dollar beteiligt.
Den größten Anteil seines Budgets erhält UNEP aus den Treuhänderfonds sowie den zweckgebundenen ("earmarked") Zuwendungen. Mit diesen Mitteln wird zum einen die UNEP-Arbeit unterstützt, der größte Teil fließt jedoch in die von UNEP verwalteten Umweltabkommen, Protokolle und Regionalprogramme. Im Jahr 2024 erhielt UNEP 161 Millionen US Dollar an zweckgebundenen Beiträgen. Deutschland beteiligte sich mit 47,8 Millionen US-Dollar.