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Rede von Carsten Schneider zur Eröffnung des 17. Petersberger Klimadialogs

21.04.2026
Carsten Schneider hält eine Rede beim Petersberger Klimadialog 2026 in Berlin
Beim Klimadialog in Berlin betont Carsten Schneider: Die Energiekrise zeigt die Schwächen fossiler Energien – und erhöht den Druck für mehr erneuerbare Energien.

– Es gilt das gesprochene Wort! –

Sehr geehrter Minister Murat Kurum,
sehr geehrter Minister Chris Bowen,
Exzellenzen,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist mir eine große Freude, Sie zum 17. Petersberger Klimadialog begrüßen zu dürfen. Willkommen hier in Berlin, am Westhafen, in diesem alten Industriegebiet.

Lieber Chris, wir hätten dich sehr gern hier bei uns in Berlin gehabt. Aber wir verstehen, dass du wegen der aktuellen Lage in Australien sehr kurzfristig deine Reise absagen musstest. Schön, dass du virtuell bei uns bist und dass wir gleich eine Rede von dir hören.

Dies ist die erste Ministerkonferenz nach Belém. Dort haben wir ein wichtiges Signal für den Multilateralismus gesendet. Das ist seitdem vielleicht noch wichtiger geworden. Die Welt ist in Aufruhr. Die Lage ist ernst.

Wir erleben Kriege, die großes menschliches Leid verursachen. Und wir erleben zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, wie volatil die fossilen Energiemärkte sind. Die Preise für die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle sind massiv gestiegen. Einige Länder haben fossile Brennstoffe rationiert. Manche Betriebe haben die Produktion gedrosselt. 

Klar ist: Diese Krise ist eine Krise der Fossilen. Fossile Energien liefern nicht die Versorgungssicherheit, die Menschen, Unternehmen, Volkswirtschaften und globale Lieferketten so dringend brauchen. Wer heute auf den Import von Öl und Gas angewiesen ist, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus.

Erneuerbare sind dagegen Sicherheits-Energien. Auch deswegen müssen wir ihren Ausbau noch schneller vorantreiben – für unsere Sicherheit und für das Klima. Damit wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zentraler Bestandteil eines erweiterten Sicherheitsbegriffs.

Verfügbare, kostengünstigere erneuerbare Energie wirkt gegen Energiearmut. Und sie stärkt Energiesicherheit und Souveränität. Sie sichert wirtschaftliche Resilienz, Wertschöpfung und Beschäftigung. Und zwar bei Herstellern weltweit und lokal, auch im Handwerk um die Ecke.

Sie schafft Klimasicherheit: Wenn wir sie schnell genug umsetzen, ist sie unser stärkster Hebel bei der Minderung des Klimawandels. Gerade in dieser Krise zeigt sich auch: die globale Energiewende ist weit fortgeschritten und unaufhaltbar.

Wir müssen dabei aber noch besser und schneller werden. Denn gleichzeitig heizt sich die Erde weiter auf. Die Jahre seit 2015 waren die elf wärmsten, die jemals aufgezeichnet wurden. Die Ozeane brechen Jahr für Jahr Temperaturrekorde.

Das sind nicht nur abstrakte Zahlen. Hinter ihnen stehen ganz konkret Millionen von Menschenleben und Existenzen – bedroht durch Hitze, Dürre und Überflutungen weltweit. Dahinter stehen Kosten in Milliardenhöhe.

Wir brauchen also Klimaschutz, um Lebensgrundlagen und Entwicklungschancen zu sichern. Und um die immensen Chancen für die Modernisierung unserer Wirtschaft und Gesellschaft zu nutzen. Es ist unser gemeinsamer Auftrag, die Lücke an Maßnahmen zu schließen, die uns noch von der 1,5 Grad-Obergrenze trennt.

Die Transformation zu verschleppen, würde enorme Risiken bergen. Für unsere Gesundheit und Sicherheit, für die Natur, für die Wirtschaft. Nicht-Handeln ist teuer. Und jenseits von 1,5 Grad wird Anpassung zunehmend schwieriger – und irgendwann unmöglich.

Die COPs der vergangenen Jahre haben definiert, was zu tun ist: Den Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen. Die Erneuerbaren Energien verdreifachen. Die Energieeffizienz verdoppeln. Wir haben alle Instrumente an der Hand dies umzusetzen.

Nicht zuletzt möchte ich besonders die Rolle der Natur hervorheben. Gesunde Ökosysteme sind unsere Verbündeten im Klimaschutz, denn sie speichern Kohlenstoff.

In Deutschland stärken wir deshalb die Natur mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Moore und Wälder, Auen und Meere sind aktive Klimaschützer. Das müssen wir uns weltweit zunutze machen – und zum Beispiel wie vereinbart die Entwaldung bis 2030 stoppen.

Wir haben international in den letzten Jahren weitere wichtige Fortschritte bei der Nutzung von Synergien zwischen Klimaschutz und Naturerhalt gemacht: 2022 wurde bei der COP in Sharm El Sheikh der Mangrove-Breakthrough vereinbart – um 15 Mio Hektar Mangroven wiederherzustellen. Und in Belém im letzten Jahr war Deutschland Teil einer Allianz für den Peatland-Breakthrough, um weltweit Moore wiederzuvernässen mit einem enormen Beitrag für den Klimaschutz.

Wir spüren alle, dass der Klimaschutz unter Druck steht. Manchmal droht er von den vielen anderen Krisen überlagert zu werden. Zugleich wünschen sich die Menschen, dass wir beim Klimaschutz vorankommen. Für Deutschland hat gerade eine Studie ergeben, dass es mehr als 70 Prozent der Befragten für richtig halten, bis 2045 klimaneutral zu werden. Nur weil die Gegner oft lauter sind, sind sie nicht die Mehrheit.

Wichtig ist: Wir müssen für den Weg zur Klimaneutralität klare, verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, überall auf der Welt. Wir brauchen ein level playing field.

Ein Beispiel ist der Klimaclub mit seinen 48 Mitgliedern. Hier zeigen wir, wie man gemeinsam den Aufbau von Leitmärkten für grünen Stahl und Zement vorantreiben kann. Es geht darum, die Chancen der Dekarbonisierung zu nutzen – und Risiken gemeinsam abzufedern.

Europa will bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein. Die EU-Ziele sind ambitioniert aber notwendig. Bis 2040 sollen die Emissionen um 90 Prozent sinken. Dieses Ziel haben wir in Europa gemeinsam beschlossen, mit dem europäischen Parlament und den Staats- und Regierungschefs. Die zentrale Säule bleibt dabei ein starker und verlässlicher integrer Emissionshandel.

In Deutschland treiben wir die Energiewende voran. Heute stammen fast 60 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien. Kohlekraftwerke schließen und wir senken unseren Gasverbrauch. Zusammen mit unseren Nachbarn betreiben wir eines der stabilsten Stromnetze der Welt. Das Motto ist: Elektrifizieren statt verbrennen – in Industrie, Verkehr und Gebäuden. Das macht uns resilienter und effizienter.

Ich möchte daher hier auf dem PCD die Diskussion über das Thema Elektrifizierung anstoßen. Was können wir gemeinsam tun, um unsere Volkswirtschaften zu elektrifizieren? Was wollen wir uns dazu bis zur Cop31 in Antalya vornehmen? Wie genau treiben wir das Thema erfolgreich voran? Darüber möchte ich mich mit Ihnen austauschen.

Elektrifizierung ist schon jetzt ein globaler Megatrend. Für uns – wie für die meisten Investoren – ist klar: Der Strom dafür kommt aus erneuerbaren Quellen. Mehr als 90 Prozent aller weltweiten Investitionen in neue Stromerzeugungskapazitäten fließen in Erneuerbare. Wir alle hier im Raum haben uns aus gutem Grund dafür entschieden, sie zu fördern. Das sind unverzichtbare Zukunftsinvestitionen!

Gleichzeitig gilt: Klimaschutz muss gerecht sein, damit er funktioniert. Dieser Herausforderung müssen wir uns alle stellen. Klimaschutz darf niemanden abhängen. Er muss Möglichkeiten für alle eröffnen. Klimaschutz ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts.

Der Klimawandel macht sich schon jetzt immer stärker bemerkbar. Deswegen brauchen wir Maßnahmen für Resilienz und Anpassung. Auch hier gibt es eine starke soziale Dimension. Oft leiden die Menschen mit weniger Ressourcen am stärksten unter den Klimafolgen. Gerade ihnen sind wir Unterstützung und eine klare Strategie schuldig.

Wir haben uns bei den vergangenen COPs vorgenommen, die Klimafinanzierung zu verbessern und die Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen zu verdreifachen. Das ist ein Auftrag, den wir annehmen – auch in Zeiten knapper Kassen.

Der Umbau der Wirtschaft stellt vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer vor große Herausforderungen. Deutschland wird auch zukünftig verlässlich an der Seite unserer Partner stehen und sie unterstützen.

Klar ist auch: Öffentliche Mittel allein werden nicht ausreichen. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam daran arbeiten, die privaten Investitionen auszubauen. Und vor allem: die nationalen Anpassungspläne und Klimapläne (NDCs) umzusetzen.

In Zeiten wie diesen zeigt sich, wofür der Peterberger Klimadialog steht. Er hat eine lange Tradition, uns in schwierigen Zeiten zusammenzubringen – damit wir gemeinsam einen Weg nach vorne finden.

Wenn ich mich heute in diesem Raum umsehe, erfüllt mich das mit Mut und Zuversicht. Ich danke Ihnen allen dafür, dass Sie nach Berlin gekommen sind, und freue mich auf die nächsten beiden Tage.

Für neue Wege brauchen wir natürlich alle Perspektiven. Ganz offen gesagt: Eine reine Männerriege, wie wir sie hier zur formellen Eröffnung präsentieren, ist da etwas limitiert. Aber so wie ich die Kolleginnen im Saal kenne, bin ich sicher, dass sie sich im Verlauf der Sitzung Gehör verschaffen werden.

Lassen Sie uns in diesen zwei Tagen die Ärmel hochkrempeln. Lassen Sie uns zeigen, dass der Multilateralismus lebt und Ergebnisse liefert. Lassen Sie uns gemeinsam den Kurs bestimmen – für eine erfolgreiche COP31, für eine wirkungsvolle internationale Klimazusammenarbeit und für eine konsequente Umsetzung des Paris-Abkommens.

Es ist mir nun eine große Freude und Ehre, das Wort an unsere Co-Gastgeber für den diesjährigen Petersberger Klimadialog zu übergeben: Minister Murat Kurum für die designierte türkische COP31 Präsidentschaft und Minister Chris Bowen für die designierte australische Verhandlungspräsidentschaft.

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Petersberger Klimadialog 2026

21. und 22. April 2026 in Berlin

21.04.2026 | Rede Internationales

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