Bei den 1. Jemen-tagen in Berlin am 24.-25. September 2026 standen die nachhaltige Entwicklung und der Schutz der einzigartigen endemischen Natur Sokotras und neue Perspektiven für die Zusammenarbeit zwischen Jemen und Deutschland im Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Entwicklungszusammenarbeit diskutierten, wie lokale Gemeinschaften gestärkt und Umwelt- und Klimaschutz langfristig miteinander verbunden werden können.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Sokotra, dessen endemische Fauna und Flora weltweit einzigartig sind. Zugleich steht die Insel vor wachsenden Herausforderungen: Dazu zählen vermehrte Dürren und Wirbelstürmen durch Klimawandel, ungeregelter Tourismus, fehlende Abfall- und Wasserinfrastruktur, invasive Arten, Überweidung und Bodenerosion.
Moderierte Fachbeiträge unter anderem mit dem jemenitischen Umweltminister Tawfiq Al-Sharjabi, des saudischen Wiederaufbauprogramm für den Jemen, der Friedrich Ebert Stiftung, Deutsch-Arabische Handelskammer, der Deutsch-Jemenitischen Freundschaftsgesellschaft, Vision Hope, Carpo, CITIS, FAO machten deutlich, welcher Zerstörung die endemischen Pflanzen wie der Drachenblutbaum derzeit ausgesetzt sind und wie dringend Wiederaufforstung, kontrollierter Tourismus und Weidewirtschaft, sowie Mangroven- und Meeresschutz sind.
In den Diskussionen über nachhaltige Entwicklung ging es auch um konkrete Perspektiven für die Bevölkerung. Bildung, grundlegende Infrastruktur und alternative Einkommensmöglichkeiten sollen den Druck auf natürliche Ressourcen mindern. Nachhaltiger Tourismus kann lokale Arbeitsplätze schaffen, etwa in Transport, Unterkünften und im Handwerk. Entscheidend sei jedoch, Besucherzahlen und Infrastruktur so zu gestalten, dass Natur und kulturelles Erbe geschützt bleiben und die Menschen vor Ort wirtschaftlich profitieren.
Mehrfach wurde betont, dass Kooperationen auf den Bedürfnissen und dem Wissen lokaler Gemeinschaften aufbauen müssen. Frauen und junge Menschen sollen stärker einbezogen werden, ebenso wichtig sind die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Austausch zwischen jemenitischen und internationalen Fachleuten. Die bestehenden Umweltgesetze seien weniger das Problem als ihre Durchsetzung.
Als Prioritäten wurden ein Konzept für nachhaltigen Tourismus, ein Abfall- und Recyclingsystem, besseres Wassermanagement, die Wiederherstellung von Landschaften, Klärung der Landrechte, Reduktionen der unkontrollierten Beweidung sowie Frühwarnsysteme und der Schutz klimaabhängiger Lebensgrundlagen genannt.
Die Veranstaltung unterstrich: Wirksamer Umwelt- und Klimaschutz braucht langfristige Partnerschaften, verlässliche Unterstützung und Lösungen, die gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden.